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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-09-01 · Heft 9 (1.9.1897) · p. Seite 194

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 9 (1.9.1897)
Date
1897-09-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 Stadt, ein Blick in die leeren Synagogen und andererseits in die offenen Geschäfte, Werkstätten, Büreaus und Schulen müssen Jeden überzengen, daß an unserem Ruhetage die Mitglieder der Gemeinde in voller Arbeit sich befinden. Kein Wunder daher, daß unsere Kinder aufwachsen, ohne das Judentum kennen und lieben zu lernen und ohne jene wahre Religiosität zu gewinnen, zu der ein erhebender Gottesdienst uns führt. Wir wollen und dürfen nicht teilnahmslos und unthätig ferner zuschauen, wie der Glaube, der das Glück und die Seligkeit unserer Väter war, mehr und mehr aus unserer Mitte schwindet. Wir müssen sorgen, daß Maßregeln ergriffen werden, die, ohne den Geist und das Wesen unserer Religion irgendwie zn verletzen, eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen im Stande sind. Wir wollen nicht, daß an dem Sabbath, der heilig ist, und der eine der Grundvesten des Judentums bildet, gerüttelt werde, aber wir wollen für Diejenigen sorgen, die, ohne auf dem Boden der Reform-Gemeinde zu stehen, nicht in der Lage sind, am Sabbath das Gotteshaus zu betreten. Und für diese verlangen wir, neben und außer dem Gottesdienste am Sabbath, die Ausgestaltung des Sonntag-Morgengottesdienstes zu einer erhebenden religiösen Feier mit Predigt. Wir haben kein anderes Mittel, den in erschreckender Weise zunehmenden Jndifferentismus zu bekämpfen, und selbst die orthodoxesten unserer Glaubensgenossen können hiergegen nichts einzuwenden haben, wie hervorragende Rabbiner uns bestätigen. Es mag sein, daß die religiöse Feier am Sonntag Anfangs wenig besucht werden wird, aber wenn die Thore der Synagoge offen stehen, wenn wir vor uns selbst keine Ausflüchte haben, das Haus Gottes zu betreten, dann wird sicher im Laufe der Zeit das in der Brust Vieler schlummernde religiöse Gefühl wieder zum vollen Bewußtsein gelangen. Die jetzigen beklagenswerten Zustände sind auf die Dauer unhaltbar, weil dem größeren Teil unserer Glaubensgenossen die Möglichkeit vollständig entzogen wird, den wöchentlichen Gottesdienst allein oder mit ihren Kindern zu besuchen. Um eine Besserung dieser Verhältnisse herbeizuführen, beabsichtigen wir, dem Vorstande der Jüdischen Gemeinde einen Antrag zu unterbreiten: „er möge neben dem Sabbath-Gottesdienst eine feierliche Andacht mit Predigt an den Sonntagen in den Synagogen einrichten". Falls eine große Anzahl unserer Glaubensgenossen sich für diesen Antrag erklärt, dann wird auch der Vorstand diesen Wünschen gerecht werden. Wir bitten Sie im Namen des Glaubens, der uns eint und unseren

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