Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 190 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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190 sich der Lage völlig gewachsen zeigt. Der Titelträger hätte aber nicht Antiochus, sondern Matathias sein sollen; letzterer, aus seiner Unschlüssigkeit zur Thatkraft sich erhebend, weckt und fesselt weit mehr die Teilnahme. Prächtige Gestalten sind neben Matathias dessen Söhne Judas, Makkabäus und Jonathan, sowie der syrische Feldherr Sedekias. Im ganzen muß das Werk als eine gediegene und wertvolle Arbeit anerkannt werden. Wollte der Verfasser sich zu einigen Änderungen und Kürzungen bequemen, so würde das Drama poetisch entschieden gewinnen. Weferate und Mitteilungen. Von Herrn Dr. Max Pollak, Rabbiner zu Gdenburg, ist in ungarischer Sprache eine Geschichte der Juden in Ödenburg von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart erschienen. Diese Arbeit wurde von der israelitisch-ungarischen Literaturgesellschaft preisgekrönt. Schon im 10. Jahrhundert waren in Ödenburg Juden ansässig. Im 13. Jahrhundert hatte ein jüdischer Graf, Comes Teku, seine Güter in der Nähe. Das älteste auf die Juden bezughabende Dokument im Ödenburger Archiv ist ein vom König Karl Robert am 26. Januar 1324 erlassener Schutzbrief, dessen Sohn, Ludwig der Große, die Juden des Landes verwies, als seine Bekehrungssucht bei ihnen nicht verfing (1360). Die Vertriebenen ließen sich in Wiener Neustadt nieder. Schon im Jahre 1366 nahm er sein Ausweisungsedikt zurück, da er einsah, wie er dadurch den Handel geschädigt. Die Verbannten kehrten zurück und waren bald wieder die gesuchten Geldmakler der Stadt. Die 4 Juden wohnten nicht ghethoartig eingeschlossen, sondern in verschiedenen Gassen zerstreut unter den übrigen Einwohnern. 1379 soll Ödenburg 80 jüdische Seelen gezählt haben. 1405 wurde den Juden von König Sigismund, der gegen die Türken Krieg führte, eine Kriegskontribution von 3500 Gulden aufgelegt. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts, als die Stadt von der Königin Elisabeth an den Herzog Friedrich von Österreich verpfändet wurde, waren sie vor Vergewaltigungen geschützt. Unter der Regierung des Ladislaus Posthumus wurden die Juden von den Ödenburgern verfolgt, aber von der Regierung geschützt, was auch unter König Mathias dem Gerechten der Fall war. Nach seinem Tode, als Thronstreitigkeiten ausbrachen, wurden die Juden in Ödenburg samt und sonders in den Kerker geworfen und sie sollten nur dann frei werden, wenn sie die Schulden erließen. Sie hatt.n viel in der Folge zu leiden, namentlich unter König Ludwig II., unter dem ihre Seelenzahl auf 400 gestiegen war und unter dessen Wittwe Maria, die einen Verbannungsbefehl gegen sie erließ. 1526 im September mußten die Juden innerhalb einer Stunde die Stadt verlassen. Sie ließen sich in Eisenstadt nieder. Die Königin widerrief dann den Ausweisungsbefehl und zwang die Ödenburger, das geplünderte und gewaltsam Abgenommene den Juden wieder zurück zu erstatten. Auch der Bruder, der Königin Erzherzog Ferdinand