Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 183 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Bürgermeister Steblick zu Nicolai in Oberschlesien ging 1779 von der katholischen zur jüdischen Religion über. Er war damals 46 Jahre alt. Um vielen Verdrießlichkeiten aus dem Wege zu gehen, verschrieb er sein ganzes Vermögen seinem in Sohrau wyhnenden Sohne. Vor Gericht gestellt, appellirte er an den König. Zn dem Bescheid, welchen Friedrich der Große erließ, findet sich folgende Stelle: „Es geziemt durchaus nicht dem menschlichen Richter, sich in Angelegenheiten zu mengen, die zwischen den Menschen und Gott vorgefallen, hat besagter Steblick durch seinen leichtsinnigen Schritt sich gegen die göttliche Majestät vergangen, so wird diese ihm die gerechte Strafe zukommen lassen, aber uns steht das Recht nicht zu, dem Willen Gottes mit unserer beschränkten Urteilskraft vorzugreifen. — Der Zwang, wenn er schon etwas ausrichtet, verschafft der Kirch ein Mitglied, das nur dem Scheine nach es ist, in seinem Innern aber der seiner Überzeugung entsprechenden Religion anhängt." Der König verfügte, daß die gerichtlichen Kosten der Gemeinde zur Last fallen, und da aus den Angaben zu entnehmen sei, daß Steblick ein treuer Unterthan gewesen sei, der sich während seiner Amtsdauer viele Verdienste um die Stadt erworben habe, so solle er von allen den Abgaben, mit welchen die Juden ausnahmsweise belastet sind, frei bleiben. Ferner ist es des Königs ausdrücklicher Wille, daß Steblick künftig der „Neue Jude" benannt werde. Joseph ben Abraham — das war Steblicks jüdischer Name — wohnte noch viele Jahre friedlich in Sohrau bei seinem Sohne, er erwarb sich talmudische Kenntnisse und sang täglich hebräische Psalmen unter Begleitung der Violine. Er starb 1807 und wurde auf dem jüdischen Friedhof zu Nicolai begraben. Die ersten Hebräischen HSuchdrucke. Die ersten in Deutschland bekannten hebräischen Lettern finden sich >in einem von Petrus Niger im Jahre 1476 herausgegebenen Werke, betitelt: Contra perfidos Jndaeos de conditionibus veri Messiae". Die größeren, vollständig mit hebräischen Lettern versehenen Werke wurden von einer in Italien ansässigen jüdischen Familie, die von ihrem Wohnorte Soncini sich die Sonciniden nannte, herausgegeben, und diese verpflanzte die Buchdruckerkunst in mehrere Städte Italiens, vorerst Venedig, von wo sie durch jüdische Meister nach der Türkei gebracht wurde. Die einzigen und ältesten Drucke im türkischen Reiche waren hebräische Bücher, die in Konstantinopel erschienen. Das älteste Druckwerk in Italien war ein Rituale von Moses von Couzy, welches in Venedig 1450, also schon zehn Jahre nach der Erfindung der Buchdruckerkunst herausgegeben wurde. Von der Grammatik des Moses Kimchi existirt schon eine Ausgabe von 1461. Bald trat der betriebsame Soncini eine christliche Concurrenz entgegen, welche