Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-08-01 · Heft 8 (1.8.1897) · p. Seite 181

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 8 (1.8.1897)
Date
1897-08-01
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2969669-2969837-2969846--5152-2974442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

18t Das Wahrscheinlichste ist, daß Menelaos in Verbindung mit dem heidnischen Gottesdienst auch die eleusinischen Mysterien einführte. Während der Zeit seines zehnjährigen Hohenpriestertums konnte er mit Waffengewalt das Halten des Festes mit ausschweifendsten Orgien erzwingen. Ihm folgte Juda Makkabi, der zwar den Tempel vom heidnischen Kultus gereinigt hatte, aber seine Tempelweihe geschah im Monate Kislew (im Winter) und am nächsten Tischrimonat, zur Zeit des Festes, da schon beinahe ein Jahr verstrichen war, sehen wir ihn bereits wieder auf dem Schlachtfelde, während im Tempel die Hand des Alkimos waltete. Alkimos hätte gerne alle Parteien befriedigt, er wollte aber auch die Gunst der syrischen Machthaber nicht verscherzen und so ist es wahrscheinlich, daß er von den heidnischen Kulten diesen einen beobachten ließ, dessen durch Menelaos beförderte unsittliche Auswüchse er tilgte und den er dem Rahmen des Gießopferritus einfügte, andererseits konnte er mit der Beobachtung dieses Freudenfestes auch den syrischen Machthabern Sand in die Augen streuen. Unter dem Hohepriestertum des Alkimos und dem darauffolgenden siebenjährigen Interregnum konnte man sich so sehr gewöhnen an dieses Fest, dessen heidnische Färbung auch ininier blasser werden mochte, daß man es nach zwanzigjähriger Beobachtung nicht mehr für fremd hielt und es als ein ergänzender Ritus der Laubhüttenopfer betrachtet wurde. Ja es geschah sogar, kaum ein Jahrhundert später, daß die Pharisäer revoltirten gegen jenen Hohepriester, der statt nach Osten und Westen hin zu opfern — wie es bei den Eleusinen geschah — das Wasser zu seinen Füßen ausgoß. Die Annahme ist nicht genügend begründet, daß der opfernde Hohepriester — Alexander Jannai — diese Unschicklichkeit deshalb begangen hätte, damit er die Pharisäer ärgere; im Heiligtum hätte auch der sadducäische Hohepriester sich gescheut, daselbst ein öffentliches Ärgernis zu geben. Es ist viel natürlicher anzunehmen, daß der Hohepriester, nachdem er den nächtlichen betäubenden Freuden gefröhnt, so erschöpft vor den Altar trat, daß er sich über die Weise des Opferns nicht zurecht fand. Wahrscheinlich geschahen infolge dessen Anordnungen, welche den zu Orgien neigenden Charakter des Festes sehr streng umschrieben. Auf diese Momente der Umwandlung mag sich der Bericht der Überlieferung von der Teilnahme der Frauen beziehen. Zur Zeit des Menelaos waren die Frauen die Rollenträger des Festes und die Männer waren nur als Zuschauer zugegen. Unter Alkimos übernahmen die Männer die Rollen und die Frauen waren die Zuschauer. Da sie sich aber auch jetzt noch vermengten und Fälle von Leichtsinn vorkamen, verwies man unter Salome Alexandra die Frauen auf Gallerien. Diese Gallerten wurden jährlich errichtet, bis sie endlich gelegentlich der Bauten des Herodes stabilisirt wurden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.