Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Keleos beziehe, die Demeter antrafen, als sie, um Wasser zu schöpfen, zum Brunnen gingen, so können wir uns nicht verschließen vor der Thatsache, daß das jerusalemische Wasserschöpfsest enge mit den eleusinischen Mysterien zusammenhängt. Die Talmudische Tradition ist zwar lückenhaft, doch völlig verläßlich, da die späteren akademischen Dispute sie ihrer Ursprünglichkeit nicht beraubten. Diese Tradition aber, — obschon sie kein ganzes Bild der Feier gezeichnet — weist so auffallend entsprechende Berührungspunkte in allen Momenten auf, daß an eine zufällige Übereinstimmung nicht gedacht werden kann. Es kann als Thatsache angenommen werden, daß infolge des Verkehrs mit den Griechen ein den eleusinischen Mysterien entsprechendes, doch in den Rahmen des jüdischen Kultus eingefügtes und der heidnischen Färbung entkleidetes Freudenfest in Jerusalem bis zur Zerstörung des Tempels existierte. III. Noch müßte auch die Frage gelöst werden, ob der Zeitpunkt bestimmt werden könnte, wann die Umgebung des jerusalemischen Tempels zum Schauplatz dieser Feier adoptirt wurde. Graetz (Psalmen p. 49 und Gesch. III, p. 138) meint, die Königin Salome Alexandra (78—69 v. Chr.) war die Urheberin des ganzen Festes. Seine Argumente sind: Der König Alexander Jannai war jener sadducäische Hohepriester, welcher die Heiligkeit des Gießopfers in anstößiger Weise verletzte, wodurch er den Aufruhr des zum Feste versammelten Volkes veranlaßte (Gesch. III. b., p. 704). Nach dem Tode Alexander Jannai's folgte ihm seine Frau Salome Alexandra auf den Thron, die nicht mehr zn den Sadducäern hielt, sondern zu den Pharisäern, deren Wohlwollen sie sich damit verdienen wollte, daß sie das durch ihren Gatten profanierte Gießopfer mit dem großen Pompe des Wasserschöpffestes umgab. Graetz' Annahme scheint im ersten Augenblicke sehr annehmbar, wird aber alsbald hinfällig, sobald wir uns den Verlauf der Feier vergegenwärtigen. Die nächtliche Orgie des Festes steht im Widerspruche mit dem ganzen Charakter der pharisäischen Aufsätze und gewiß wäre nicht gerade der Hof der Frauen zum Schauplatz der Feier bestimmt worden, wenn diese Anordnung — um die Pharisäer zu gewinnen — die größere Heiligkeit des Gießopfers bezweckt hätte. Im Gegenteil muß aus dem anstößigen Benehmen Alexander Jannais gefolgert werden, daß die Pharisäer — die nach Alexanders Tode die Königin beeinflußten — vielmehr die Einschränkung des Festes bezweckten. Die Einführung des Festes muß in früherer Zeit gesucht werden, da — selbst die Identität Alexander Jannais und des sadducäischen Hohepriesters zugegeben, was ja am Ende doch auch nur Graetz' Annahme ist — das ungebührliche Benehmen jenes Hohepriesters eben damit zu erklären ist, daß die schon gewohnten nächtlichen Orgien den Leichtsinn beim Opfern verursachten. Auch in