Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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177 Stufe, auf den übrigen aber die musicirenden und singenden Leviten standen, so ist die Annahme naheliegend, daß sie den Gesang auch dirigirten, und dieses Amt entspricht dem des eleusinischen „Hierophantis". Es ist aber wahrscheinlich, daß nur der eine den Gesang überwachte, während der andere von seiner hohen Warte her die Fackelträger im Auge behielt. Dieser würde dann dem „Daduchos" entsprechen. Nehmen wir aber auch an, daß beide den Gesang beaufsichtigten, da dies auch in Eleusis Zweie versahen — ein Mann und eine Frau — so mußten doch auch besondere Fackelinspizienten da sein- Der das Wasseropfer darbringende Hohepriester entsprach dem „Epibomos". Der eleusinische zum Priester geweihte Jüngling erklärt uns, warum Jünglinge aus den Priestern mit dem Anzünden der Hauptfackeln betraut wurden. Der „Hierauf", besonders genannt als der die Flöte spielende, benimnit allen Zweifel über den Ursprung des jerusalemischen Festes, als dessen speziellen Charakter die Tradition das Flötenspiel hervorhebt. Es erübrigt nun noch unter den offiziellen Faktoren des Festes den dem „UisroKerüx" entsprechenden Ausrufer zu finden. Den Ausdruck der Tradition faßt man allgemein als „da der Hahn rief" (bewegte sich der Zug nach Siloah). Es ist ja wahr, daß in der talmudischen Sprache das Wort „Gewer", welches ..Mann" bedeutet, auch in der Bedeutung „Hahn" vorkommt, doch dies nur dann, wenn von der Stärke des Hahnes die Rede ist (Gittin 68 b. conf. Spitzer, die Uhr p. 43) während zur Berechnung der Zeit der Ausdruck „Tarnegola" gebräuchlich ist, wie z. B. Berachoth 60 b. Joma 20 b wird ein interessanter Streit mitgeteilt, an dem sich Rab und R. Schela beteiligen, der sich um die Bedeutung des zur Zeitbestimmung gebrauchten Ausdruckes „Keriath Hagewer" dreht. R. Schola behauptet, daß darunter der Hahn zu verstehen sei, während Rab so lange darauf bestand, es als „Verkündiger", „Ausrufer" deuten zu müssen, bis sein Gegner sich vor seinen Argumenten beugte. Wenn nun das Resultat dieses Streites beachtet wird wie der Umstand, daß es auch in Eleusinien einen „Hierokerüx" gab, so können wir füglich davon absehen, daß das im Berichte über das Wasserschöpfen vorkommende „Gewer" von der Tradition für „Hahn" genommen wird, da auch in den Rahmen des ganzen Festes die Rolle eines Verkündigers besser paßt. Und erinnert etwa das Fernhalten des gemeinen Volkes von der Feier nicht an die Eingeweihten der Eleusinen? Auch an den eleusinischen Mysterien konnten nur die Vornehmen teilnehme», woraus erklärlich ist, daß auch an der Freude des Wasserschöpfens nur die Hervorragenden Israels sich beteiligen konnten. Ist uns ferner jene unbezweifelte Thatsache bekannt, daß in Eleusis die zum Wasseropfer dienende „Plemochoe" ein Thongefäß war, aus welchem der Priester das Opferwasser nach Osten und Westen goß, so kann der Streit der Talmudlehrer darob, ob am jerusalemischen Wasserschöpffeste die zum Gießopfer dienenden zwei Gefäße — deren eines gegen Osten, das andere gegen Westen