Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- '*vu; " V ■ - ‘■'w/- ' “ . — 176 - für das Fest bestiminte Ort, an den sich der Begriff knüpfte, wonach die Hauptfactoren des Festes und die Praeponderanz der Festgäste Frauen bildeten. Heute ist freilich schon uninöglich genau nachzuweisen ob der Ort in Bezug auf die Göttinnen Demeter und Persephone als Ort der Frauen bezeichnet wurde, oder etwa deshalb, weil gerade nach deni Vorbilde der Tesmophorien anfangs ausschließlich nur Frauen an der Feier teilnahmen; so viel ist gewiß, daß man an jenem Berichte der Tradition, daß „vor Zeiten nur die Frauen innen waren, während die Männer draußen standen" nicht einfach vorüber eilen kann, ohne den begründeten Verdacht zu schöpfen, daß anfangs die Frauen den Cult der Demeter und Persephone mit ausschweifenden Orgien in unmittelbarer Nähe des jernsalemischen Tempels feierten und nur leichtsinniger Mißbrauch veranlaßte die Anordnung der auf hohem sittlichen Niveau stehenden jüdischen Behörde, daß die schon eingebürgerte Jnstitutioir eine Abänderung erfahre, und die Frauen — obgleich bei den Elensinen die Hälfte der offiziellen Funktionäre aus Frauen bestand — von der Teilnahme an der Feier gänzlich ausgeschlossen wurden. Die Errichtung der Gallerte scheint gar nicht eine neuere strengere Maßregel zu sein, als vielmehr eine wiederholte Concession, damit an der, die Frauen nahe interessirenden Feier, die Frauen wenigstens gegenwärtig sein könnten. Nähere Angaben über diese Anordnungen lassen sich unseren historischen Quellen nicht entnehmen, aber der hierauf bezügliche Bericht der Tradition über das Fest läßt bestimmt vermuten, daß die Ausübung des im Grunde dem jüdischen Jdeenkreise nicht entsprechenden fremden Cultus sich nur allmählich der jüdischen Auffassung anpaßte, bis sie durch Hervdes ihres fremden Charakters völlig entkleidet wurde, damit daß er den Schauplatz der Feier eng zum Tempel gehörig erbauen ließ. Darum wurde die Feier, von welcher die Tradition mit größter religiöser Begeisterung spricht, gerade in dem hinsichtlich der religiösen Vorschriften so unbedeutenden „Hof der Frauen" abgehalten. Der fremde Cult konnte leicht heimisch werden, da dem Mittelpunkte der eleusiuischen Feier, dem Brunnen des Kallichoros, die ganz nähe Siloahquelle entsprach. Es ist interessant, daß heute die Siloahquelle „Quelle der Jungfrau" heißt, (Sepp l. c. I. p.270) natürlich mit Bezug auf Maria; ob aber diese Bezeichnung nicht erst später christliche Färbung erhielt und vielmehr ein Nest des mit dem Feste zusammenhängenden Namens ist, wonach Siloah gerade wie der Kallichorosbrunnen „Jungfrauen-Brunnen" genannt wurde? Bei der wichtigen Rolle, welche Siloah am Wasserschöpffeste zukam, scheint diese Annahme, nach so vielen augenfälligen Berührungspunkten nicht eben unmöglich. Da aber Zeit und Schauplatz der Feier übereinstimmen, wollen wir auch die Hauptfaktoren der Feier einem Vergleich unterziehen. Auf der obersten Stufe der in den Hof der Frauen führenden Treppe standen zwei Priester, die nach dem Berichte der Tradition — Leiter der Feier waren. Da sie auf der obersten