Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Aus alledem ist zu ersehen, daß, obgleich die Quellen auch von den Eleusinen nur lückenhafte Bruchstücke bieten, aus den Berichten klar hervorgeht, daß jenes Freudenfest des Wasserschöpfens, das im jerusalemitischen Tempel verlief nichts anderes ist, als in jüdische Gewandung gehülltes eleusinisches Misterium. In der Geschichte der Ausbreitung der Religionen ist eine Erscheinung bekannt, daß die Verbreiter einer Religion die Feste auf die alten Feiertage des besiegten Volkes verlegten, ja, es wurde wenn nur möglich, an den altgewohnten Riten nichts geändert, sie erhielten nur eine neue Färbung. Der Demeterkult konnte leicht eindringen in den jerusalemischen Tempel, ist doch der dem Boedromion entsprechende Monat Tischri nicht nur voll von Feiertagen, sondern am 15. beginnt auch das sieben Tage dauernde Laubhüttenfest, dessen hauptsächlichste Bedeutung gleichsam auf die Fruchtbarkeit des Feldes Bezug nimmt. Die Eleusinen begannen am 15. des Boedromion und dauerten sechs Tage lang. Das Laubhüttenfest begann am Abend des 14. Tischri und Hatte die Dauer von sieben Tagen. In dieser Vergleichung finden wir den Grund dafür, warum das Fest des Wasserschöpfens am Ende des ersten Tages der Lauberhütten, das ist am Abend des 15. Tischri seinen Anfang nahm. Der Unterschied bestand nur darin, daß man im jerusalemischen Tempel alltäglich Wasser schöpfte und opferte, während dies zu Eleusis nur am letzten, am sechsten Tage, ain Tage der „Plemochoe" geschah. Doch ist zweifellos, daß der siebente Tag des Lauberhütten, das ist der sechste Tag des Wasserschöpffestes, entsprechend der „Plemochoe" mit besonderer Festlichkeit bedacht ward, woraus nur die „Hoschanah rabba" als Andenken blieb. Also nicht deshalb nahm das Fest seinen Anfang am Ende des ersten Laubhüttentages, weil das Verbot der Feiertagsheiligung den Ritus hinderte sondern weil gerade dieser Tag dem 15. Boedromion entsprach. Jener von der Tradition erwähnte Grund bezog sich gewiß eigentlich auf den in die sechs Tage des Freudenfestes fallenden Sabbat, was ja leicht verständlich ist, weil die Feier außerhalb des Tempels verlief, wo das Festverbot allerdings Geltung hatte. Es ist aber fraglich ob auch in der Anfangszeit der Einführung der Eleusinen der Sabbatruhe Aufmerksamkeit geschenkt wurde? Es ist sehr wahrscheinlich, daß damals auch am zwischeneinfallenden Sabbath die Feier begangen wurde und erst spätere Anordnungen geboten am Sabbat Ruhe. Nun gelangen wir zur Erörterung der Frage nach dem Schauplatze der Festfeier. Die Tradition bezeichnet als diesen Schauplatz den Hof der Frauen, was auch durch das Evangelium Johannis bezeugt wird, wo (VII, 37) Jesus am Laubhüttenfeste im Hofe der Frauen mit den Pharisäern stritt und mit Bezug auf dieses Fest sagte: „Wen da dürstet, der komnie zu mir." (conf. Sepp, Jer. u. d. heil. Land I p. 141 und 302.) — Aber vor Herodes gab es noch keinen Hof der Frauen und es darf angenommen werden, daß seine Einrichtung nur die Sanktion war für den Ort, wo diese Feier abgehalten wurde. Es bestand der