Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Am Abend des 15ten Tages des Boedromion (September) begann das Fest. Sein ganzer Verlauf war die Nachahmung des Suchens der geraubten Persephone Bei Fackellicht Trauerlieder singend, beweinte und suchte man Persephone, bis man endlich am sechsten Tage mit festlichem Aufzuge von jenem Brunnen, da Demeter rastete zum Meerbusen von Salamis sich begab, fröhlich tanzend, scherzend und so geräuschvoll singend, daß die Berge von den Liedern widerhallten und Fackellicht de» ganzen Meerbusen erfüllte, ans welchem man mit zwei irdenen Krügen Wasser schöpfte, das aus dem einen Kruge gegen Westen, aus dem andern gegen Osten von mystischen Worten begleitet als Opfer ausgegossen wurde. Dieser Schlußtag erhielt seinen Namen „Plemochoe" vom irdenen Kruge und vom Wasserschöpfen. Auch darf die geheimnisvolle Lade nicht außer Acht gelassen werden, welche am Feste besonders heilig gehalten wurde und die unter anderem Granatäpfel, Backwerk und Salz enthielt, als Symbole der durch Demeter begründeten besseren Lebensart. Am Feste konnte nicht jedermann teilnehmen; anfangs durften nur die Eingeweihten erscheinen, später jedoch waren nur die Ausländer und endlich bloß die Verbrecher ausgeschlossen. Mittelpunkt der ganzen Feier war der Brunnen des Kallichoros, welcher auch „Brunnen der Jungfrauen" genannt wurde, wo Demeter rastete und über welchen ans Demeters Weisung ein Tempel errichtet ward. Die vornehinsten Funktionen hatten am Feste: 1. der „Ilieroptiantis", der den Gesang leitete, 2. der „Dadouchos", der die Fackeln beaufsichtigte, 3. der „Hierokeriix", der offizielle Verkündiger des Gottesfriedens und allerlei wissenswerter Dinge, 4. der „Lpibomo8" der das Opfer brachte. Nebstdem war noch ein besonders zum Spielen der Flöte, am Feste die vornehmste Rolle führenden Instrumentes, Erkorener, der die Bezeichnung „llioraulss" führte. Zu erwähnen ist noch die Sitte, daß aus Anlaß des Festes jährlich ein aus vornehmer Familie stammender Jüngling zum Priester des Altars geweiht wurde. Demeter war als Göttin der Ernte zugleich Göttin der Fruchtbarkeit der Frauen. Hierauf bezüglich bestand ein eigener Cult an welchem nur verheiratete Frauen teilnahmen. In nächtlichen Orgien feierten die Frauen an den Thesmophorien Demeter, die sie um den Verlust ihres Kindes beweinten und zu der sie um Kindersegen sichten. Der Demeterkultus erregte im Gemüte der Teilnehmer abgesehen vom Segen der Fluren tutb des Mutterleibes noch besonders in Bezng auf das Leben auf Erden, wie auf das jenseitige Heil, solche beseligende Gefühle, denn die griechischen Autoren (angeführt und erwähnt in Pauly, Enc. p. 108) reden mit der größten Begeisterung von der Freude und dem seligen Feste, das in Eleusis statthatte.