Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Dieses Freudenfest beweist, daß auch der Verkehr mit den Griechen nicht ohne Wirkung auf das jüdische Glaubensleben blieb. Die eleusinischen Mysterien, genauer der Kultus der Demeter und Persephone, fanden Einlaß im jerusalemischen Tempel. Bevor wir jedoch zum Beweise dieser Behauptung schreiten, müssen wir Ursprung, Wesen und Bedeutung der eleusinischen Mysterien ins Auge fassen. H. Genaue Nachrichten über die eleusinischen Mysterien findet man bei Preller, (Griech. Myth. I. B 589ff); Pauly (RE des cl. Altrth. III s. v. Eleusinia); Boeckh. (Encyk. und Meth. d. Philolog. Wissen. Leipzig 1877. p. 438ff) und bei Dr. S. Vargha, (Von den eleusinischen Mysterien (Ungarisch).) Als Pluto die Persephone geraubt hatte, begab sich Demeter in tiefer Trauer auf die Suche nach ihrer Tochter. Mit leuchtender Fackel in der Hand durchstreifte sie forschend Länder und Meere, ohne Speise und Trank zu nehmen. Überall, wo sie ans ihrer Irrfahrt einkehrte und freundlich ausgenommen ward, brachte sie Segen auf Flur und Haus- Am zehnten Tage ihrer Wanderung kam sie nach Elensis, wo sie müde am Rande eines Brunnens sich niederließ; in tiefe Trauer versunke» fanden sie hier die Töchter des König Keleos, die mit Krügen zur Quelle kamen Wasser zu schöpfen. Ermuntert durch ihre Teilnahme und besonders durch die heiteren Scherze der Jambe, ging sie mit den Jungfrauen in den Palast ihres Vaters, wo seither großer Segen sichtlich ward am Hause. Jedoch ließ sie im Schmerze über den Verlust der Tochter nicht mehr Fruchtbarkeit der Erde werden und da infolge dessen große Hungersnot drohte, brachte Zeus ein Übereinkommen zwischen Demeter und Pluto zu Stande. Persephone sollte nicht gänzlich zu ihrer Mutter zurückkehren, da sie schon der Unterwelt angehörte, doch vereinigten sie sich dahin, daß sie jährlich in bestimmten Perioden längere Zeit bei ihrer Mutter auf dem Olymp zubringen könne. Im Frühjahr komme sie, aber im Herbst, wenn der Landmann den Samen wieder säete, muß sie wieder zur Unterwelt niedersteigen. Dieser Mythos bildet die Grundlage des Cultes der Demeter und der Persephone, welcher gemäß der verschiedenen Äußerungen der griechischen Naturreligion in verschiedenen Formen geübt ward, aber immer nur dort, wo Stämme wohnten, die Ackerbau betrieben. Die größte Bedeutung hatte jedoch dieser Cultus im attischen Eleusis, am stillen Meerbusen von Salamis, wo alljährlich viele Tausende zu dem Feste kamen. Von Eleusis verbreitete sich dieser Cultus — mit dem Dionysosdienst verschmolzen — nach Athen und von hier über ganz Kleinasien. Die Festfeier zerfiel in zwei Teile; im Frühjahr beging man die Auffahrt der Persephone und im Herbst ihren Raub. Letzterer war der Gegenstand der eigentlichen Mysterien, der großen Eleusinen, was im Grunde nichts anderes gewesen, als was der Demeter in Eleusis widerfuhr.