Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1897)
- Date
- 1897-08-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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171 warum das Freudenfest erst am, zweiten Tage begann. Es ist gewiß, daß der Beginn des Freudenfestes am zweiten Tage eine andere Ursache hatte, welche von der Überlieferung nicht aufbewahrt wurde. . Doch alle diese Zweifel erscheinen kleinlich gegenüber jener auffallenden Erscheinung, daß der Schauplatz der ganzen Feier der Hof der Frauen war. Im Tempel Salomos und Zerubabels hatten die Frauen nicht einmal einen bezeichneteu Ort, um so weniger einen besonders abgegrenzten Hof. Selbst aus Alexander Jannais Zeit weiß die Überlieferung nur so viel von besonderen Vorhöfen, daß Alexander Jannai den Hof des Priesters durch ein Holzgitter in zwei Teile geschieden, damit das Volk außerhalb des Gitters sich aufstelle. (Jos. Ant. XVI. 13. 5 ) Die genaue Beschreibung des Tempels findet sich bei Josephns (Ant. XV, 11 und Bell. Jud. V, 5.,) wie auch im Abschnitt „Middoth" der Mischna; obgleich jedoch selbst diese Quellen nicht immer verständlich sind und sogar in mehreren Beziehungen von einander abweichen, so ist doch gewiß, daß in diesen Quellen vom Tempel des Herodes die Rede ist. In diesem nun wird zum irsten Male der Hof der Frauen erwähnt. Herodes ließ den für die Frauen bestimmten Raum mit einer Mauer umgeben (R. E. XV, 290; Renan V, 277) und er ließ auch die in der Überlieferung erwähnte Gallerie errichten (Renan ibid. 174), auf welcher gelegentlich des Festes die Frauen Platz nahmen. Wenn wir nun bedenken, daß die Mischna (Middoth II, 5) diese Gallerie (im Hof der Frauen für die Frauen, „daß sie sich mit den Männern nicht vermengen") als einen ständigen Ban erwähnt, wie ja dieselbe in der That von Herodes für die Dauer gebaut wurde, während die Überlieferung vom Feste, — gewiß an vor herodianische Zustände denkend — diese nur als temporäre Einrichtung erscheinen läßt; und ferner, daß nach dein Zeugnis des Josephus (Bell. Jud. V, 5) der Hof der Frauen den spezistschen, zum Begriff des jerusalemischen Tempels gehörenden jüdischen Charakter nicht besaß, und daß nach der Mischnah (Edujoth VIII, 5) den im Hof der Frauen gefundenen Gebeinen — deren Herkunft unbekannt war — keine verunreinigende Wirkung zuerkannt wurde, weil man den Hof der Frauen nicht für Privatgut hielt, sondern als Gemeinplatz betrachtete, woraus folgt, daß der Hof der Frauen jeglichen sakralen Charakters ledig war, so bleibt jener Umstand völlig unbegreiflich, daß die vornemsten Riten des von der Überlieferung für so großartig glänzend und wichtig ausgegebenen Freudenfestes gerade im Hofe der Frauen celebrirt wurde», der vor Heroins Zeiten gar keinen sakralen Charakter besaß. Schon hieraus wäre zu entnehmen, daß das ganze Freudenfest vielleicht nur ein Volksfest war, das außerhalb der Tempelmauern auf dem Rasen verlief; doch, bleibt noch immer die Frage, warum man nach Vollendung der herodianischen Ballten den Schauplatz des Festes gerade in den Hof der Frauen verlegte und besonders was hinter dem Bericht der Überlieferung stecke, wonach anfänglich nur Frauen am Feste teilnahmen, während die Männer nur Zuschauer waren