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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-08-01 · Heft 8 (1.8.1897) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 8 (1.8.1897)
Date
1897-08-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 Hiergegen spricht aber unbedingt die Lückenhaftigkeit der Tradition wie auch das tiefe Schweigen der ganzen Heiligen Schrift vom ganzen Feste überhaupt. Herzog (R. E. VIII, 483) hält „für möglich, aber nicht wahrscheinlich" die Freude über die eingetretene Regenzeit für den Grund der Feier und daß er doch auch etwas Originales sage, bekennt er sich zu der Ansicht, daß das Fest nur eine Erinnerung an die Wüstenwanderung sei, da Gott vor dem dürstenden Volke Quellen erschloß. Ist nun schon der Ursprung des Festes dunkel, so ist auch die Erklärung d> s traditionellen Namens des Festes sehr bestritten. Was bedeutet „Simchath bethhaschoebah"? Gewöhnlich wird dies übersetzt mit: „Wasserschöpfen", „Wassergießen", „Wasseropfer", «Wasserfüllfreude"; letzterem entspräche auch der Ausdruck „milui majim" (Sukka 54 a); Geiger (Sprache der Mischna) und Kohut (Aruch s. v) übersetzen nach einer Conjektur unter Beiziehung.des Syrischen und Arabischen „Fackelfreude". Gewiß, ohne Conjektur bedeutet das Wort nicht Fackel, obgleich nach der Überlieferung die Fackeln dort eine bedeutende Rolle hatten. „Schöpfen" bedeutet das Wort auch nur in dieser Form „scheibah". „Hascboebah" kann als Einzahl des (Gen. XXIV, 11) vorkomnienden Plurals nur „die Schöpferin" bedeuten und somit ist der traditionelle Namen des Festes nichts denn „Freude des Hauses der Schöpferin." Betrachten wir nunmehr die Tradition in.ihrem ganzen Umfange, so werden wir uns bei jedem einzelnen ihrer Momente an etwas Auffallendem stoßen. Die Überlieferung Beginnt ihren Bericht über das Fest damit, daß „das Flötenspiel fünf—sechs Tage lang dauert." Wir erfahren wohl im Verlaufe des Berichtes, daß am Feste auf vielerlei Instrumenten gespielt wurde, warum aber hebt die Überlieferung das Flötenspiel, gleichsam als das vornehmste Merkinal der Festmusik hervor? Kann uns Lipman Hellers Erklärung (Sukka V, 1) befriedigen, wonach die Überlieferung das Flötenspiel aus dem Grunde hervorhebt, weil dessen Klang unter allen Instrumenten am' besten hörbar wird? Berücksichtigen wir, daß die Überlieferung, wollte sie im Allgemeinen die Musik mit einem alle Instrumente umfassenden Ausdruck bezeichnen, sich des hebräischen Wortschatzes bequem hätte bedienen können, trotzdem aber nennt sie als das Fest bezeichnend und beim Opfern gebräuchlich nur die Flöte, so ist es gewiß, daß die Flöte eine besondere Rolle beim Feste hatte, deren Bedeutung wir nicht kennen. War dieses Fest nur ein ergänzender Ritus der Laubhütten, warum begann es erst am Ende des ersten Tages? Bekanntlich trat innerhalb des Heiligtums die Wirkung der auf die Sabbat- und Festtagsruhe bezügliche» Verbote völlig außer Kraft, somit ist die Erklärung, daß am ersten als dem vornehmsten Tage der Laubhiitte» der Festtagsruhe tvegen innerhalb des Heiligtums Gesang. Musik und das zum Opfer unbedingt nötige Wasserschöpfen, verboten gewesen wäre, nichts anderes denn spätere Deutelei, um begreiflich zu machen,

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