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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-07-01 · Heft 7 (1.7.1897) · p. Seite 162

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 7 (1.7.1897)
Date
1897-07-01
Page
Seite 162 (sequence 18)
Language
German
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162 ernst und traurig aus sowohl bei Juden als bei Christen und muß bekämpft und geändert werden. Aber glaubt man einen Menschen oder gar einen ganzen Kreis von Menschen durch fortwährende Angriffe, Kränkungen und Verdächtigungen zu bessern? — und wieviel Unschuldige werden mit verletzt und zurückgestoßen, besonders wenn ein solcher Kampf von kirchlicher Seite geführt wird. Ich möchte absichtlich erwähnen, daß wiederholt hier jüdische Fabrikherrn Gaben für Kirchenbauten, welche im Bereich ihrer Fabriken und für ihre Arbeiter ausgeführt wurden, spenden wollten. Sie wurden wegen der gehässigen Stimmung in Berlin abgelehnt; aber mir ist auch von ernsten, gläubigen Pastoren in den Provinzen erzählt, daß sie solche Gaben mit herzlichem Danke angenommen haben, und man kann es wahrlich ohne Bedenken gut heißen, wenn ein jüdischer Fabrikherr seinen christlichen Arbeitern eine Kirche bauen hilft; unter Umständen, z. B. als Großgrundbesitzer ist er ja sogar dazu verpflichtet. Ein treuer Förderer unserer kirchlichen Angelegenheiten seit vielen Jahren ist im Magistrat ein bescheidener, frommer jüdischer Stadtrat. Vor Kurzem spendete ein Jude eine sehr große Gabe, welche zum Besten für Kranken- Waisenhäuser aller Konfessionen, für die Armen- Krankenpflege, für arme Wöchnerinnen verwendet wurde und viel Sorge und Elend lindern wird." — Am 20. März ist in Wien der bekannte Schriftsteller Eduard Kulke nach längerer Krankheit im 66. Lebensjahre gestorben. Am 28. Mai 1831 in Nikolsburg geboren, Sohn des Rabb. Samson Kulke in Kostet und Enkelkind des Landrabbiners Nehemias Trebitsch s. A. erwarb sich Eduard Kulke schon in jungen Jahren einen namhaften Ruf als Novellist, und seine vielen Erzählungen aus dein jüdischen Volksleben seines Heimatlandes Mähren, von denen der „Künstenmacher" auch in den von Paul Heyse herausgegebenen „Deutschen Novellenschatz" anfgenommen wurde, lassen ihn nächst Leopold Kompert und S. Kohn als den bedeutendsten jüdischen Erzähler erscheinen. Herr Hofrat Professor E. Mach schreibt über ihn: Am 20. d. M. starb in Wien der Schriftsteller Eduard Kulke. Durch einen Zufall lernte ich 1863 den Mann im Cafe Grinsteidl kennen. An einem Nachbartisch debattirten einige Musiker lebhaft über die „Charakteristik der Tonarten", Man beobachtete meine Aufmerksamkeit und zog rnich ins Gespräch. Ich trat auf Kulke's Seite, der in besonders klarer und geistvoller Weise seine nüchterne Anschauung dargelegt hatte. Wir blieben dauernd Freunde. Bei seiner kritischen Beschäftigung mit der Kunst, bei seiner ungewöhnlichen musikalischen Literaturkenntnis, welche ihn befähigte, die einzelnen Stimmen der Partitur aus dem Gedächtnis anzugeben, hatte Kulke auch ein lebhaftes Interesse und Verständnis für naturwissenschaftliche Fortschritte. Dieser Combination von Fähigkeiten entsprang seine interessante kleine Schrift: „Über die Umbildung der Melodie". Bezeichnend für Kulke's Naturell ist es, daß ich die Niederschrift und Publikation dieser Arbeit, auf welche ich als Verehrer Darwin's Wert legte, nur durch Anwendung einer List erreichen konnte. So wie in dieser Schrift, tritt auch in

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