Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969845--5131-2974420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- .vi — 161 — Partei angehört, noch vom „christlichen Staate" sprach, erklärte Professor Friedberg, der bekanntlich eine staatsrechtliche Autorität und eine Säule der Partei ist, mit Entschiedenheit: „Wir wollen keinen christlich-konfessionellen Staat. Es ist staatsrechtlich überhaupt nicht richtig, von einem christliche» Staat zu reden: wir können nur einen konfessionslosen, einen paritätischen Staat anerkennen, der alle Bekenntnisse gleichmäßig behandelt. Ich schließe mit dem Wunsche: Erhalten wir uns einen kräftigen und gerechten Staat, der sich der Wurzeln seiner Kraft bewußt bleibt!" — Die Ansiedlung der Juden in Jnowrazlaw fällt, nach einem von Herrn Rabbiner Dr. Lewin im Verein „Achusath Mereün" gehaltenen Vortrage in das Jahr 895. Gleichzeitig erwähnte Redner die Gründung der Synagoge und Schulen. Die älteste ist nach seiner Darstellung die Beth-Hamidrasch-Synagoge von 1790, die heutige Synagoge stammt vom Jahre 1831. Redner ging dann weiter auf die Schreckenszeit der Cholera ein und erwähnte dabei, daß vom 5.—20. September j. I. 120 Personen gestorben wären. Bei dieser Gelegenheit berührte er die soziale und politische Lage der Juden bis zum heutigen Tage. — Aus Anlaß des Jubelfestes der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg wird die Wirksamkeit der Universität Straßbnrg im abgelaufenen Vierteljahrhundert besprochen. Herr Professor Adolf Michaelis sagt in einem Artikel: „An der Universität selbst fragt Niemand nach der Konfession. . . Es läßt sich der Wahrheit gemäß behaupten, daß in Straßburg von den Fakultäten die Konfession niemals weder als Empfehlungsnoch als Hinderungsgrund bei Vorschlägen in Betracht gezogen worden ist. Die Parität ist vielmehr in dem Sinne verstanden und ausgeübt worden, daß man ohne Ansehen aller konfessionellen oder sonstigen außerwissenschaftlichen Gesichtspunkte denjenigen Lehrer zu gewinnen gesucht hat, der wissenschaftlich am tüchtigsten und erprobtesten war, die beste Gewähr freier und unbefangener Forschung bot." — Das jüdische Mädchenstift in Kerlin, das unbemittelte jüdische Mädchen hauswirtschaftlich heranbildet und für den Dienstbotenberuf vorbereitet, beherbergt jetzt, nach dem ausgegebenen 7. Jahresbericht, gegen anfänglich sechs, sechszehn Zöglinge. Die Mittel des Stiftes, die sich auf 4676 Mk' an Jahresbeiträgen von 455 ordentlichen Mitgliedern, auf 688,25 Mk. Zinsen des einschließlich zweier Stiftungen 21,713,38 Mk. betragenden Anstaltsvermögens und auf außerordentliche Spenden beschränken, reichten nicht aus, um das Institut in Stand zu erhalten. Vorsitzende des Stiftes sind Waisenhaus-Direktor Dr. Strelitz und Frau Julie Neumann. — Für Kirchen - bauten in und um Berlin sind, wie Oberhofmeister Frhr. v. Mirbach im Jahresbericht des Evangelischen Kirchenbauvereins für 1896-97 schreibt, in acht Jahren 25 Millionen Mark verwendet worden. Darunter befinden sich „nach genauen Abrechnungen" etwa 19000 Mark von Juden, welche für die fast vier Millionen kostende Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gespendet wurden! Daran knüpft Frhr. von Mirbach folgende Betrachtung: „Es sieht gewiß manches in der Welt sehr