Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 159 — Tröste die Trauernden und rechtfertige Gott, der ihnen das Leid zugefügt hat. Ehre den Armen und unterstiitze ihn heimlich. Sitzt er an deinem Tische, sehe ihn nicht zu häufig an, damit er unbeschämt sich sättigen könne. Kränke nicht den Armen durch Worte, geschweige denn durch Thaten. Verschließe nicht dein Ohr, wenn der Arme dich um eine Gabe bittet. Tritt nicht rasch und unangemeldet in das Haus deines Nächsten ein. Sei nicht strenge gegen deine Hausgenossen, lasse sie nicht deine Herrschaft fühlen. Zürne nicht, denn nur der Thor zürnt, der Weise ist sanft und bescheiden. Liebe die Weisheit, ehre die Weisen und grüße freundlich Jedermann. Ist der Arme krank auf seinem Bette, besuche ihn, aber nicht mit leeren Händen. Hat dein Nächster dir ein Geheimnis anvertrauet, verrate es nicht, auch wenn du ihm grollest. Begnüge dich mit Kräutern und verlange nicht Fleisch von einem Andern. Entbehre und nimm die Hilfe der Menschen nicht in Anspruch. Sei vorsichtig in der Erziehung deiner Kinder. Trotze nicht dem Weisen und erzürne ihn nicht. Gehe nicht Kein richte nicht allein und sei nicht Zeuge und Richter zugleich. Erhöre die Bitten von Waisen und Wittwen und treibe dine Schuld nicht mit Strenge ein von ihnen, es ist deine Pflicht ihr Wohlergehen vielmehr zu fördern. Halte dich ferne von einem bösen Nachbar, so auch von einem Menschen, dessen Name übel beleumundet ist. Freue dich nicht des Unglückes Anderer, wenn sie auch deine Feinde sind, denn auch du bist nicht deines Glückes sicher. Strebe nicht nach Herrschaft und Ehre, sie sind nicht von Dauer. Wirf Niemand seinen Fehler vor, denn auch die Fliege setzt sich auf wunde Stellen. Gehe eilig dorthin, wo Menschenliebe geübt werden kann, und eile hinweg von Stätten der Sünde. Jedes gute Werk, noch so gering in deinen Augen, wird von Gott belohnt. Sei eifrig, eine Wissenschaft zu erlernen und lasse dich von dem Spott der Mitschüler nicht abschrecken. Sitze nicht in der Gesellschaft von Spöttern und Verleumdern. Von jeder Speise die'du issest, scheide einen Teil für die Armen ab. Fluche nicht dem Tauben und spotte nicht des Blinden und Lahmen. Vertraue auf Gott, der dir deinen verdienten Lohn nicht vorenthält.