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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-07-01 · Heft 7 (1.7.1897) · p. Seite 155

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 7 (1.7.1897)
Date
1897-07-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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155 was nicht der Wirklichkeit angehört, man ist unbefriedigt von der Wirklichkeit, man verlangt nach etwas anderem als das, was uns das wirkliche Dasein darbietet, und so wird, wie Göthe sich ausdrückt, was nie und nirgends sich hat begeben, zur Darstellung gebracht. Davon weiß die hebräische Poesie wenig. Ihre geistigen Formen, welche ebenfalls die Schönheit pflegen, wenden sich selbst, wo sie Erzählungen bietet, den wirklichen, den historischen Ereignissen zu, welche in poetischer Weise dargestellt werden, sonst aber ist sie nur eine Poesie des Gedankens und des Gemütes. Nicht eine zweite, nichtige ersonnene Welt hinzustellen, sondern in diese wirkliche Welt hinein den Gedanken zu legen und zu heben, das Gemüt hier innerhalb der Wirklichkeit hinaufzuleiten zu idealen Anschauungen, das ist die Sache der hebräischen Poesie. Wir besitzen von Juda Halevi eine kleine Sammlung von Gedichten unter dem gemeinsamen Titel „Die Meerfahrt". Bekanntlich hat er, von Sehnsucht getrieben, in späten Jahren seines Lebens sich noch aufgemacht, um das heilige Land aufzusuchen. Er fährt also auf dem Mittelmeer und hat da eine Anzahl von Gedichten unterwegs gedichtet, welche gesammelt „Die Meerfahrt" bezeichnet worden sind. Alle Dichter arischer Völker von Homer bis Goethe, würden, wenn sie eine Meerfahrt gedichtet hätten, eine Beschreibung, eine Schilderung dessen, maS sie bei dieser Meerfahrt erlebt, gegeben haben. Was ihre Augen sehen und was ihre Seele so angeregt hat, diese Bilder würden wir deutlich zu schauen bekommen. Nichts davon bei Juda Halevi; sondern er bringt zur Darstellung, wie sein Herz bewegt worden ist, welche Gedanken in ihm angeregt wurden während der Fahrt, und so lautet denn eine Strophe, die Schlußstrophe seines Gedichtes, die er am Abend gedichtet; er ist auf dem Deck des Schiffes, es ist Nacht, er dichtet und die letzte Strophe, mit welcher ich auch diesen Vortrag schließen will, lautet, dem Deutschen angeeignrt, also: „Unter mir ein Meer und über mir ein Meer, dazwischen ein drittes Meer, mein Herz. Unter mir ein Meer von Wasserwogen, über mir ein Meer von leuchtenden Sternen, dazwischen ein drittes Meer, mein Herz. Wenn seine Wogen sich erheben, rauschen sie mächtiger als alle Wellen des Meeres, Wenn seine Sterne leuchten, glänzen sie gewaltiger als alle Gestirne des Himmels, Denn es wendet sich zu dir, o Gott!

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