Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 Häuflein. Aber eines hatten sie: Den wahren Ernst des Lebens und er fand seinen Ausdruck in der Verehrung des Gesetzbuches und darin, daß nunmehr eine öffentliche Vorlesung dieses Gesetzbuches stattfinden sollte. In den homerischen Gedichten, in den beiden großen Epen, der Ilias und Odyssee, wird uns ein Bild des griechischen Lebens zu jener Zeit mit der größten Genauigkeit und Anschaulichkeit vorgeführt. Wir sehen das ganze Leben und Treiben der Menschen, auch das, was sie innerlich bewegt, was sie an Idealen erstreben, tritt vor unseren Angen deutlich hervor. Wenn wir aber diese beide» Gesänge von Anfang bis Ende sehr genau dnrchlesen, vermissen wir nach unserer heutigen Anschauung Eines. Zu den Bestrebungen der Menschen gehörte damals absolut noch gar nicht Wissen. Erkenntnis, theoretische Einsicht. Nirgends ist davon die Rede. Durch die ganze Bibel aber klingt es fort und fort „Vejodato“, Du sollst erkennen, freilich vorzugsweise das, was das Erhabenste ist, das der menschliche Geist erfassen kann: Erkenne das Unendliche! Die späteren Griechen, mehr als alle ältere» Völker von Wissenstrieb ergriffen, haben ihre Erkenntnis ausgebildet, aber gegen ihre Religion. Wenn wir die Poesie der Griechen und der Römer durchsehen und ihre religiösen Schriften, soiveit von solchen die Rede sein kann, bemerken wir, keinem dieser war es möglich, das zu sagen, was uns so geläufig geworden, wenn Einer seinen Blick zum Allerhöchsten wendet, zu sagen: Mein Gott! Niemals konnte ein Grieche sagen: Mein Gott,' es war der Geist des Judentums, welcher dahin geführt hat, die Aneignung des Höchsten an die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen und sich selbst in der höchsten Weise ihm hinzugeben. Ein anderer Zug. Alle alten Völker haben Heroensagen, Geschichten und Erzählungen von den Stiftern und Gründern ihres Volkes. Eine Erzählung geht saßt gleichmäßig bei allen Völkern nebenher, daß nämlich der Heros des Volkes in seiner Kindheit in Lebensgefahr ist, n. zw. daß er, weil von der Quelle seiner Nahrung abgeschnitten, in die Gefahr kommt zu verhungern; und jeder dieser Heroen wird gerettet. In Rom werden Romnlus und Remus, ausgesetzt, in Gefahr zu verhungern, durch eine Wölfin gesäugt, die Wölfin Roma; und das war ihr Wappentier. Die Völker wissen davon zu sagen, wie Rom eine Wölfin war und das jüdische Volk nicht am wenigsten. Rom blieb die Wölfin, bis das Christentum den Schlüssel zuin Himmel an die Stelle der Wölfin gesetzt hat. Bei den zarten Griechen ist Zeus, der Vater der Götter und Menschen, in derselben Gefahr, zu verhungern, er wird aber durch die Ziege Amalthea, durch jenes Tier sanft blickenden Auges genährt, ganz entsprechend der edlen, sittlichen Natur des hellenischen Stammes. Moses aber wird ernährt von seiner eigenen Mutter. Das bedarf keines Commentars. Ich habe vorhin von der Cvntinuität des Geistes gesprochen, hier habe» wir die Cvntinuität des Gemütes. Eine Generation gehört zur