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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-07-01 · Heft 7 (1.7.1897) · p. Seite 152

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 7 (1.7.1897)
Date
1897-07-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 Nenau einmal ausgesprochen, als er sagte: „Die größte Huldigung, welche die Wissenschaft der jüdischen Volksseele darbringen konnte, besteht darin, daß sie nun seit etwa 2000 Jahren auf das Erzeugnis dieser Volksseele, auf die biblischen Schriften eine so unausgesetzte, eine so tiefdringende Arbeit verwendet." Da ist kein Buch, und in keinem Buch kein Kapitel und in keinem Kapitel kein Satz, ja oft genug in keinem Satz kein Wort, sogar kein Buchstabe im Wort, über welchen nicht scharfsinnige Untersuchungen angestellt, sogar hitzige Kämpfe geführt worden wären. So viel geistige Arbeit ist auf die Erhaltung verwendet worden, und mit Recht verwendet worden. Mehr oder minder klar, mehr oder minder deutlich gewußt haben es die Menschen inimer, was sie au dem Buche haben, daß es der Halt und der Hort ist für alle religiöse Gesinnung, für Gesittung und Moralität. Beigetragcn zur Erhaltung des Buches hat die Einrichtung, daß das Gesetz vorgelesen wurde. Alle Staaten haben den Grundsatz, daß sich niemand mit der Unkenntnis des Gesetzes entschuldigen kann, wenn er dasselbe übertreten hat- Aber dafür zn sorgen, daß der Bürger das Gesetz auch kennen lerne, überläßt der Staat jedem Einzelnen. Bei den Juden aber wurde zuerst die Einrichtung getroffen — und die Kirche hat sie dann übernomnien — daß regelmäßig an bestimmten Tagen aus der heiligen Schrift vorgelesen werde, damit die Kenntnis des Gesetzbuches den« Volke nicht fehle. Wenn man so zuweilen einen Durchschnitt macht in der Geschichte, wenn man einen bestimmten Zeitpunkt herausgreist und sich nun verschiedene Völker um dieselbe Zeit ansieht, dann gelangt man oft zu sehr interessanten Beobachtungen. Ich will nur ganz kurz, ohne weit auszuholen, die Beobachtung auf ein solches Datum Hinweisen. Im Jahre 444 vor unserer Zeitrechnung — es war dieselbe Zeit, dasselbe Jahr, welches in das perikläische Zeitalter fällt, in das blühendste Zeitalter griechischer Kultur, wo unter Perikles vollendete Kunstwerke, aufblühende Wissenschaften, politische Macht und eine Fülle von Reichtum jeder Art in Athen waren — da ereignete es sich, daß nach unserer jetzigen Auffassung eines fehlte: Der wahre Ernst des Lebens. Und weil dieser fehlte, ist dann alle diese Blüte dennoch zu Grunde gegangen. In demselben Jahre, am 1. Tage des 7. Monates, war zu Jerusalem auf dem Platze vor dem Wasserthore eine große Volksversammlung. Männer, Frauen und Kinder, sobald sie sprachverständig waren, waren versammelt. Da war eine Tribüne erbaut. Auf derselben befand sich Esra, und um ihn herum 13 andere von den hervorragenden Männern. Sie brachten die heilige Schrift und lasen dem Volke vor. Wenn wir das Kulturbild dieser Menschen mit dem Athens im perikläischen Zeitalter vergleichen, so erscheinen sie wie Bettelwesen, als ein armes, dürftiges

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