Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- aj rrr-***wi'. , — 151 — sollte, sie müßten notwendig von einem Geschlechte dem anderen überliefert werden, auch die können vergessen werden. Wer weiß heute nichts von den Gedichten Parcivals und Tristans, wer kennt nicht die Namen Wolfram v. Eschenbach, Hartmann v. d. Aue, Gottfried v. Straßburg und Walther von der Vogelweide? Wir wissen es alle, daß die Deutschen bereits um die Wende vom zwölften und dreizehnten Jahrhundert eine hohe Blüte der mittelhochdeutschen Dichtung gehabt haben und in vielen Übertragungen, Bearbeitungen und Kommentaren sind diese Dichtungen jetzt verbreitet. Aber vor etwa hundertfünfzig Jahren, um die Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in ganz Deutschland nicht 10, vielleicht nicht 5 Menschen, welche von der Existenz dieser Dichtungen überhaupt nur eine Ahnung gehabt hätten und es gab nicht Einen, welcher sie lesen konnte. Sie mußten wie Schätze aus alten Trümmern erst ausgegraben werden, nur weil unter den Stürmen der Reformation ganz andere Gedankenzüge das Volk beherrscht haben und so diese Schätze in Vergessenheit geraten ließen. Das wäre in Israel nicht möglich gewesen. Hier war die Tradition für alle Schöpfungen des Geistes von jeher Volkssitte und Stammesart. Der Mittelpunkt aller dieser Traditionen war freilich und ist ja auch bis auf den heutigen Tag die Überlieferung der heiligen Schrift. Bernhard Stade, Professor der christlichen Theologie in Gießen, weist in seiner „Geschichte des Volkes Israel" darauf hin, daß jene Thatsache, welche zur Feststellung einer heiligen Schrift, d h. zur Aufstellung eines autoritativen Buchein Israel geführt hat, bis auf den heutigen Tag mit all den Umständen, welche damals gewirkt haben, noch fortwirkt. Nachdem er die Gegensätze, welche zur Zeit des Jeremias gespielt haben und diejenigen Gegensätze, welche heute in allen christlichen Kirchen und ich kann sagen, auch innerhalb des Judentums flattfinden, lange Zeit besprochen hat, schließt er mit den Worten: „So stehen auch wir noch unter den Nachwirkungen der Ereignisse des Jahres 621 v. d. christl. Zeitrechnung." Was für eine Thätigkeit aber hat zunächst das jüdische Volk aufgewendet, um eben die Bibel zu erhalten! Unter allen Wundern der Geschichte gibt es vielleicht kein größeres, als daß wir die Bibel heute noch besitzen. Wie hat Rom sie verfolgt, wie wurde jeder, der darin gelesen, oder daraus gelehrt hat, wie jeder, bei dem man eine heilige Schrift vorgefunden hat, verfolgt, wie wurden die Schriften konfiszirt, wie wurden die Menschen, wenn sie den Sinn der Märtyrer hatten — und sehr viele haben diesen Sinn gehabt — deshalb, weil sie aus einer heiligen Schrift gelesen, hingeopfert! Und dennoch haben sie die Schrift festgehalten und haben die Lehre überliefert. Später hat auch in viel weiteren Kreisen als in denen des Judentums sich die Wissenschaft der Erhaltung angenommen. Es ist ein sehr treffendes Wort» da-