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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-07-01 · Heft 7 (1.7.1897) · p. Seite 148

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 7 (1.7.1897)
Date
1897-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 tum zeichnet sich als Religionsvolk dadurch aus, daß es, selbst noch bestehend und fortlebend, zivei, es selbst an Macht und Ausdehnung weit überragende Tochterreligionen geschaffen hat: das Christentum und den Islam. Und wie wirken die Ideen des Judentums innerhalb dieser weiten Kreise fort, wie viele von dem innersten Bestände desselben erhalten sich innerhalb der Kirche! Man braucht ja nur mit offenen Ohren in jede Kirche zu gehen, um wahrzunehmen, wie selbst bis auf die Sprachform, das, was so scharf und tief im Altertume ausgeprägt war, sich erhalten hat bis auf den heutigen Tag in der fremdgewordenen und doch zugleich wiederum heimisch gewordenen Sprachform Hören wir nicht in jeder Kirche, daß das Aufjauchzen der Seele zum Preise Gottes „Halleluja" heißt, und der Aufschrei der geängstigten und um Hilfe flehenden Seele „Hosianna", und daß die stärkste und beste Bekräftigung dessen, was in der Seele des Menschen lebt, gegeben ist durch das hebräische Wort „Amen"? Bei allen alten Völkern finden wir, daß sie Kastenvölker sind. Die Teilung der Arbeit ist in allen öffentlichen Angelegenheiten eine Notwendigkeit; es kann nicht jeder alles machen, wenn es irgendivie vollkommen gemacht werden soll. Eine der Fornien, wie die Teilung unter den gesammten Mitgliedern eines Volkes geschehen soll, war früher die Teilung nach Kasten und diese Form hat lange gedauert. In Israel wurde der Geist des Kastenwesens aufgehoben; es gab keine eigentliche Kaste, Jeder aus jedem Staninie konnte Prophet werden, Jeder Richter und Führer des Volkes rc. Mit deni Kastenwesen ist etwas anderes verbunden, was in moralischer Beziehung für de» Lauf der Entwicklung in der Menschheit vielleicht noch wichtiger ist. Soviele Kasten in einem Volke, soviele verschiedene Rechte. Jede Kaste hat ihre Rechte, welche im Grunde genommen Vorrechte sind. Dem trat nun die mosaische Gesetzgebung entgegen. Die Kasten wurden aufgehoben durch Aufstellung des Grundsatzes: „Eine Lehre und Ein Gesetz sei für Euch alle!" Kein Unterschied der Person vor dem Rechte und vor dem Gesetze. Nun, nicht als ob in Wirklichkeit in Israel die verschiedenen Stände sich so gleichmäßig gebildet hätten und es an Unrecht durch Verschiedenheit der Machtverhältnisse gefehlt hätte. Die Propheten, wie Jesaias, und hundert Jahre später Jeremias, wissen genug zu klagen über die Agrarier ihrer Zeit. Aber das war eben auch nur Unrecht und wurde nie zu Recht erkannt. Zwar eine Art von Kasten hat es unter den Juden auch gegeben. Es gab ja doch einen Priesterstand. Es zeigt sich aber ein Unterschied in dem Bestände dieser Priesterkaste gegenüber allen Priesterkasten der alten Kulturvölker. Nach dem Gesetze Moses durfte die Priesterkaste kein Verniögxn besitzen. Die Macht und ihr Mißbrauch war sofort unterbunden, sobald die Priester des weltlichen Vermögens ein für allemal verlustig erklärt waren.

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