Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.--vnfTO’W'ip»'^^V"*r*ir — 147 — der des israelitische» Landes gehört, hat uns das 2. Buch der Könige im 17. Kapitel aufbewahrt. Der König von Assyrien hatte Israel bekriegt und besiegt. Die Stämme wurden in Gefangenschaft, ins Exil nach Assyrien geführt; die leergewordene Provinz aber besetzte er mit Kolonisten aus seinen verschiedenen Provinzen. Es werden da die verschiedenen Gegenden des assyrischen Reiches, aus welchen der König neue Bewohner hingeschickt hat, aufgeführt — kurz bald nachdem neue Kolonisten da waren, brach, als ein schweres Übel, eine übermäßige Anhäufung des Gewildes ins Land. Alle diese Völkerschaften, welche gekommen waren, hatten, wie erzählt wird, ihre Gottheiten mitgebracht. Es waren fromme Leute, die mochten von ihren Göttern nicht lassen, sie hatten sie mitgebracht und beteten zu ihnen, aber die Plage wich nicht vom Lande. So brachte man die Sache denn vor den König. Der König von Assur sagte: „Ei, das ist ja sehr begreiflich! Alle diese Leute beten nur die Götter an, die sie aus ihrer früheren Heimat mitgebracht haben. Das sind ja keine Götter für das Land Israel. Man sende einen israelitischen Priester hin, daß er sie lehre, den Gottesdienst des Landes Israel, dann wird die Plage weichen." Also das war die allgemeine Anschauung und es war das große Verdienst des Monotheismus, wie er hier ausgebildet worden ist, endlich eine Überwindung alles Endlichen in Raum und Zeit zu schaffen. Bereits Abraham, der Erzvater, der eigentliche Begründer des Volkes, zeichnet sich eben dadurch aus, daß er seine Wanderung antritt, von Ort zu Ort zieht und überall denselben Gott lehrt, nicht mehr lokale Götter, sondern den einen Gott, den er in allen Ländern für alle Menschen zur Belehrung bringt. Die dritte Einheit, welche das Judentum gelehrt hat, ist die der Menschheit. Auch dieser Gedanke, daß alle Menschen eine Familie sind, ist nur bei den späteren Philosophen der anderen Völker, nicht in den alten Religionen hervorgetreten. Von Akiba ist uns ein Gespräch zwischen ihm und Rabbi ben Affai überliefert. Akiba sagt den biblischen Satz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Dies ist der große Grundsatz der heiligen Schrift. Ben Assai aber sagt jene Worte des 8. Kapitels im ersten Buche Moses', welche nur dahin lauten: „Dieses ist das Buch der Geschichte des Menschen". Dieser Grundsatz ist größer. Die Einheit der Menschheit, daß alle als Kinder Gottes von Einem Paare stammen, Eine Familie bilden, das war in seinem Sinne — und mit Recht — der höhere, der größere Gedanke. Nachwirkende Einflüsse haben die alten Kulturvölker auf die nachfolgenden Zeiten auSgeübt, welche nach ihrem Vergehen Tochterkulturen zurückließen. Aber keines der alten Völker hat eine Tochterreligion hinterlassen. Die Religionen sind mit den Völkern, meist schon vor den Völkern abgestorben, verschwunden, vernichtet, und haben keine Nachfolger gefunden. Einzig und allein das Juden»