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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-07-01 · Heft 7 (1.7.1897) · p. Seite 146

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 7 (1.7.1897)
Date
1897-07-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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146 ---- sollte das Gesetz ausgeschrieben werden. Es wurde Israel zuerst gegeben, gegeben aber für die ganze Menschheit, Israel selbst aber mußte sich absondern, damit es eben für seinen Beruf in seiner Eigenart sich vollkommen entwickeln kann. Israel mußte partikularistisch sein, weil es allein universalistisch war, weil der universalistische Gedanke der gesammten Menschheit hier zum erstenmale zur Anschauung gelangte, und weil dieser Gedanke beschützt sein mußte durch die ganze Denk- und Lebensweise dieses Volkes. In aller Kürze angedeutet: Das Wesentlichste in der Eigenart des ganzen inneren Lebensinhaltes des Judentums bestand schon früher darin, daß die Richtung auf Schöpfung von Einheitsgedanken vorwiegend war. Der erste Gedanke ist die Einheit der Natur. Die heidnischen Völker alle hatten keine Vorstellung von einer Einheit der Welt oder des Universums. Sie konnten keine haben; wenn die Sonne» der Mond, die Erde besonders personifizierte Wesen sind mit eigenen Bestrebungen und Neigungen, dann kann der Gedanke der Einheit ja nicht aufkommen. Das weiteste, was wir in der dramatischen Poesie haben, finden wir bei Sophokles in jenem sonst so wundervollen Monologe, womit Elecctra die Anrufung beginnt: „O, heiliges Licht, o, erdumfließende Luft." In der Schlußrede des Moses aber werden Himniel und Erde als Zeugen aufgerufen und ebenso bei Jesaias Himmel und Erde; das bedeutete im ganzen Altertume das Ganze der Welt. Alexander von Humboldt hat im'dritten Bande seines Kosmos, welcher den Weltansichten der antiken Völker gewidmet ist, mit allem Nachdrucke bezeugt, daß man in keiner Literatur wieder ein so vollkommenes, in sich geschlossenes und umfafsendes Weltbild findet als im 104. Psalm. Die zweite Einheit war die Einheit Gottes. Eines, war sonst so selten genügend beachtet wird, möchte ich hervorheben. Nicht die Zahl ein Gott oder viele Götter ist das tiefste in der Unterscheidung von Begriffen des Göttlichen überhaupt. Ein anderer Mangel haftete den heidnischen Anschauungen an, welcher darin bestand, daß alle Gottheit lokalisirt war. Jeder Gott ist Gott nur in seinem Bezirke. Athene ist Gottheit nur für die Athenienser, für alle anderen eine Erzählung, eine Dichtung, in Ephesus wird die Diana angebetet. Die Zuspitzung ist vielleicht am größten in Rom, wo z. B. Jupiter Capitolinus weithin herrschender Gott sein soll, weil es sich ja darum handelt, ihm alle Völker zu unterwerfen. Aber es giebt neben allen übrigen Gottheiten schließlich auch Laren und Penaten, Hausgötter in jedem Hause, in jeder Familie besondere Götter; begreiflich, da sie auch die nächsten waren, daß man ihnen am meisten ergeben war, auf ihre Eingebungen am meisten horchte. Mochte Jupiter Capitolinus dem Menschen sagen und von ihm fordern, was er wollte — waS die Penaten in die Seele legten, das war das wichtigste. Eine merkwürdige kleine Geschichte, welche kaum zur Geschichte Israels, sondern zu

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