Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1897)
- Date
- 1897-06-01
- Page
- Seite 140 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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140 „viel Christen mancherlei alters und condition, darunter auch Predigern, Volrtores und Professores Theologiae in Hebräischen, Chaldäischen und Rabbinischen Wissenschaften treulich informiret" habe. In demselben Schutzbrief wird ihm jeder Handel verboten, infolgedessen wurden ihm auch auf eine Klage sämmtlicher Berliner Buchhändler die Bücher, die er sich hatte kommen lassen mit Beschlag belegt, später aber wieder freigegeben. Das Verzeichnis dieser Bücher weist nur wenige hebräische aus, dafür aber zehn Gesangbücher Luthers und derartige Schriften. Neumark scheint übrigens bei der damaligen Berliner Orthodoxie nicht gut angesehen gewesen zu sein, denn sie verhängte über ihn den Bann und schloß ihn vom Besuch der Synagoge aus. Erst auf eine scharfe Drohung der Regierung wies man ihm einen bescheidenen Platz in den Privatsynagogen von Jost Liebmann und Wolf Salomon an. — Zu hohen Ehren kam der Sohn des Lehres Braunhart in Schubin. Derselbe, mit Namen Samuel Braunhart, wurde vor einiger Zeit zum Staatssenator in San Franzisko gewählt. Seit 1*/s Jahren bekleidete er schon das Amt eines Hafendirektors daselbst. Als 14jähriger Knabe kam er nach Kalifornien irnd ist bereits 35 Jahre im Ausland. — Es ist wenig bekannt geworden, daß Professor Paul de Lagarde, der die königliche Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen als Erbin seines Nachlasses eingesetzt hat, eine Bestimmung in seinein Testament getroffen hat, demzufolge aus den Zinserträgen desselben in Zukunft die Herausgabe einer fortlaufenden Reihe von Druckschriften bestritten werden soll, die auf der einen Seite kulturgeschichtliche Schriften, Texte des Mittelalters u. s. w, „auf der andern Seite die Werke der Kirchenväter und Scholastiker, sowie der arabischen, neuägyptischen und semitischen Litteraturen außer Hieroglyphen. Keilschrift und spezifisch jüdischen Schriften des späteren Mittelalters umfassen sollen. Mau sieht ans dieser Bestimmung, daß der verstorbene große Gelehrte doch eigentlich kein waschechter Antisemit war. — Seitens der in Paris lebenden Witwe des verstorbenen Bankiers von Hirsch-Gereuth wurde der Stadt München für eine wohlthätige Stiftung ein Kapital von 1 200 000 Mk. zur Unterstützung von Wöchnerinnen und Rekonvaleszenten bestimmt — In Königsberg i. Pr. starb Herr Stadtrat Robert Graf. Mit Graf verlor die Stadt ljund Gemeinde Königsberg sowie die Provinz Ostpreußen einen ihrer besten Söhne. Die vielen Ehrenämter, in die ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berief, verwaltete er mit seltener Hingabe. Eine durchaus ritterliche, charaktervolle und unerschrockene Persönlichkeit ist mit Graf aus dem Leben geschieden, dem Freund und Feind ein gutes Andenken bewahren wird, Im Trauerhause widmete Herr Oberbürgermeister Hoffman» dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf. — Der bisher bei der Staatsauwaltschaft in Stuttgart thätige Hilfsstaatsanwalt L. Stern ist zum Landrichter in Uavensbnrg ernannt worden. Es ist dies der erste Fall, daß in Württemberg ein Jude zum Kollegialrichter ernannt wurde. — Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Berlin