Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1897)
- Date
- 1897-06-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
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131 Revolutionssturm aber hatte diese Ausnahmszustände hinweggefegt. Und Bischof Moyses war ein Freund, ein treuer, ein unentwegt treuer Freund der Juden. Er machte seinen ganzen Einfluß geltend, um die jüdische Freizügigkeit zu fördern, die erbgesessenen Vorurteile zu bannen oder wenigstens zu dämmen, besonders aber dem unduldsamen Fanatismus des niederen Clerus mit aller Macht entgegenzuarbeiten. Hier ein Beispiel seiner Thätigkeit auf diesem Gebiete, ein Fall, den ich selbst miterlebte. Zur Diöcese des Bischof Moyses gehörte auch das Thuroczer Comitat, dessen jüdische Bevölkerung seit dem Jahre 1826 dem Oberrabbinat meines gottseligen Vaters als Cultusgemeinde ganz iin Geiste altpatriarchalischer Würde zugethan war. Die Thuroczer Juden waren mit unter den Ersten, welche von der frischen Freizügigkeit Gebrauch gemacht hatten, und fast alle Pächter des weit ausgedehnten bischöflichen Großgrundbesitzes waren Thuroczer Juden. Da verstand es sich selbst, daß bei jeder Rundreise, welche der Herr Bischof in seinem Sprengel veranstaltete, die Thuroczer Culusgemeinde an den offiziellen Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren Sr. Eminenz sich namhaft beteiligte. Da traf es sich, daß ich im August 1863, meine letzten Candidatsferien im Vaterhause zubringend, mit Zeuge einer solchen, geradezu pompösen Willkomms- Begrüßung Sr. Eminenz war. Eine Deputation der jüdischen Cultusgemeinde, bestehend aus dem Oberrabbiner, dem Vorstand und meiner Wenigkeit als Sprecher, hatte die übliche Vorstellung, und wir wurden, wie das so gang und gäbe, zu dem in der Dechantei für den Abend anberaumten Ehrenbankett officiell eingeladen. Wir folgten der Einladung. Die Gruppe der Juden wurde weder übersehen noch überhört. Ich sprach einen kurzen, wohlvorbereiteten Toast und brachte ein jüdisches Hoch auf Se. christliche Eminenz aus. Der Herr Bischof ließ sich herab, den jungen Rabbinats-Candidaten mit ein paar herzlichen Worten auszuzeichnen und reichte mir die Hand. — Das war für einen der anwesenden alten geistlichen Herren denn doch „der Toleranz zu viel"! Mit einer in Folge des schweren Ballastes etwas komisch aussehenden Würde erhob sich dieser, „jeder Zoll ein Dominikaner"! Was er eigentlich sprach, das weiß ich nicht mehr, das habe ich vergessen, denn er sprach überhaupt nicht; er sagte blos etwas. So etwas ungefähr von viel zu viel Aufhebens, das man von den Juden macht, und dergleichen . . . Aller Augen waren auf den Bischof gerichtet. Der aber schwieg. Toast folgte auf Toast. Und als endlich die Abschiedsstunde schlug, (denn wir Juden befanden uns in gar peinlicher Verlegenheit) da erhob sich ruhig und mit der ganzen imponierenden Liebenswürdigkeit seines Wesens der Herr Bischof und hielt eine kurze Ansprache des hauptsächlichen Inhalts: „Er wünsche, daß die Herren Fratres etwas mehr studirten und etwas weniger tränken! Und daß sie sich ganz besonders die Werke des heilige» Augustinus zu Gemüte führen möchten.