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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-06-01 · Heft 6 (1.6.1897) · p. Seite 128

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 6 (1.6.1897)
Date
1897-06-01
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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128 und ihr Führer ein Mann Namens Jan Pita ein Schneider ans Chudonic. Ihnen zu Seite standen die Schafhirten Vaclav, Vacek, Lukas Karel und Jiri Volny, der Bauer Jan Baura, sein Weib Ludmilla und ihre Kinder Jakob, Johann und Magdalena. Ihre geheimen Zusammenkünfte wurden 1748 verraten und einige der Theilnehmer wurden verhaftet. Durch den Königsgrätzer Bischof Johann Josef Graf Vratislav wurde eine kanonische Untersuchung eingeleitet und wurde Pita, da er lästerlicher Reden gegen den Heiland und der Ausstreuung von Jrrtümern überwiesen wurde, nebst seinen Anhängern am 3. Dezember 1748 excomunicirt. Das weltliche Gericht verurteilte Pitta zum Feuertode, seine Mitschuldigen Vaclav, Vacek und Ludmilla Baura zur Enthauptung und den Bruder Volny zu dreijähriger Kerkerhaft. Pitta endete, durch Antonin Konias zum Wideruf seiner Lehre bewogen, am 18. Dezember 1748 auf dem Scheiterhaufen sein Leben. Rabbi Mendel hingegen wurde nach Prag geführt und daselbst nach langer Haft und Untersuchung znm Feuertode verurteilt. Die Strafe wurde an ihm am 7. Dezember 1750 vollzogen. Aber dainit war die Bewegung keineswegs zu Ende. Zur Zeit als das Toleranzedict erlassen wurde, traten zwei große Gruppen von Sectirern an die Öffentlichkeit. Die Israeliten oder Abrahamiten einerseits und andererseits die sogenannten Deistew Auch in Mähren fand eine ähnliche Bewegung statt und stand der im Juni 1736 vor dem Halsgerichte in Vsetin verhörte Josef Seidel fast auf demselben Standpunkte wie die Secte in Bydzov. Seidel betonte die Einheit Gottes, verwarf die Taufe und hielt Bilder für Götzen. Vom Gebete für Verstorbene wollte er nichts wissen, ja sogar über deren Leben nach dem Tode sprach er Bedenken aus. Er wude am 9. August 1737, obgleich das Gericht in Vsacko ihn für verrückt erklärte enthauptet. Im Jahre 1765 traten in Vsacko Apostel auf, die lehrten, daß Unzucht keine Sünde sei. Diese Apostel mit ihren nihilistischen Lehren erinnern an das alte Adamitentum aus dem 15. Jahrhundert, mit dem sie viele Berührungspunkte hatten. Per 23. Makm ist die Nachtigall unter den Psalmen. Er ist klein, schmucklos an Gefieder, nur scheu aus der Verborgenheit hervorsiugend, aber er hat den Luftkreis der Welt mit melodischer Freude erfüllt, mit größerer, als das Herz sie fassen kann. Gesegnet sei der Tag, an dem dieser Psalm gesungen wurde. Was würdest Du sagen, wenn Gott einen Wanderer ausgesandt hätte, der die Erde auf- und abginge und eine wunderbare Melodie sänge, die jeden Zuhörer seinen Kummer vergessen ließe; wenn dieser singende Engel durch alle Länder zöge und in der Sprache jedes Volkes durch die Töne seines Liedes, die mit göttlicher Kraft seiner Brust entströmen, jeden Schmerz stillte? Siehe, dieser Psalm ist ein solcher Engel.

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