Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1897)
- Date
- 1897-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Eltern; strenge Zncht, entspringend aus treuer Sorge für das Lebensglück der Kinder, ist das wichtigste Anliegen der Eltern." Ausführlich erörtert Dittes nun das Erziehungs- und Unterrichtswesen bei den Juden von der Zeit ihres ersten Auftretens als Volk in der Geschichte bis zum Verluste seiner politischen Freiheit. Dabei bemerkt er: „Doch haben die Juden in der letzten Zeit des Altertums, sodann durch das ganze Mittelalter hindurch und bis auf die Neuzeit herauf fortwährend eine rege Thätigkeit ans allen Gebieten der Wissenschaft entfaltet. Überall, wo sie in größerer Anzahl beisammen wohnten, nicht blos in Jerusalem, Alexandria, Babylon und anderen Städten des Orients, sondern auch in den romanischen und deutschen Ländern, unterhielten sie blühende Akademieen welche die Stellen der späteren Hochschulen vertraten." Folgende Worte beschließen das Kapitel über die Israeliten: „Im ganzen haben die unter alle Völker zerstreuten Israeliten immer eine hervorragende Begabung und ein lebhaftes Interesse für intellectuelle Arbeit au den Tag gelegt, und Jahrhunderte lang sind sie die wichtigsten Pfleger der Wissenschaften: der Mathematik, Astronomie, Medizin, Geschichte, Sprachkunde und Philosophie gewesen. Noch jetzt zeichnen sich die Juden durch große Regsamkeit auf allen Gebieten des geistigen Lebens aus. Insbesondere ist auch ihre Beteiligung am Schulwesen meist eine sehr eifrige. Die Eltern halten ihre Kinder nachdrücklich zum Lernen an und bekümmern sich sorgfältig um deren Fortschritte; die Kinder stehen nicht selten an Wißbegierde und zähem Fteiße ihren Schulgenossen voran. Auch an wvhlthätiger Menschenfreundlichkeit zur Erziehung der vom Schicksale oder von der Natur vernachlässigten Kinder (der Waisen, Tauben, Blinden) fehlt es den Israeliten nicht, wie ihnen der Sinn für Humanität nur mit Unrecht abgesprocheu werden kann. Iudenchristen in Wöhmen und Mähren im vorigen Jahrhundert. In Bydzov entstand um das Jahr 1740 eine religiöse Sekte und kamen in dortiger Gegend Juden und Christen zu gemeinsamen religiösen Übungen zusanime». Das neue Testament wurde den geheimen Nichtkatholiken weggenommen, und verbrannt, den Juden hingegen wurde der Gebrauch des alten Testaments gestattet. Es entwickelte sich allmählich bei dieser Sekte eine wunderliche aus alt- und neutestamentlichen Bestandteilen zusammengesetzte Dogmatik. Die Kinder wurden nicht mehr getauft, die Göttlichkeit Jesu wurde nicht anerkannt ebenso auch der Glaube an die Dreieinigkeit. Der Sabbat wurde geheiligt und die Ankunft des Messias erwartet. Der Gebrauch des Vaterunsers wurde beibehalten. Der geistige Urheber dieser Sekte war ein gewisser Rabbi Mendel aus Bydzov