Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1897)
- Date
- 1897-06-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969844--5095-2974383- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
120 flößen und durch Befriedigung ihrer täglichen Bedürfnisse durch Angewöhnung wohlthuender Fertigkeiten ihre Herzen geneigt und empfänglich für die That der Liebe und der Kraft der Sittlichkeit machen. Das ist zunächst die Hanptreligion! Ach, neulich fiel mir ein kleiner Judenknabe, der in Krakau geboren und seine Eltern verloren, um den Hals und rief: Lieber Vater! — Nein, mein Heinrich, wenn Du so unedel sein kannst und das Verlangen stellst, ich solle die armen Waisen zum Christentume zwingen, dann fehlt Dir die nötige Einsicht! In Glaubenssachen muß weder Zwang noch Gewalt herrschen! Seit Jahrhunderten lehrt man das Christentum. Welche Gegensätze bringt es, sobald es sich um Juden handelt, zur Geltung. Es sinkt herab zur Niedrigkeit, zur Schmach, verliert die Hoheit, die Reinheit, die Stärke der Nächstenliebe, wenn es sich nicht von der Judenfeindschaft abwendeu kann. Glaubensfeindschaft entsittlicht und verwildert. Mein einziges Ideal ist: die wahre volle Menschenliebe bethätigen. Willst Du ' mir hierbei helfen, so stelle keine Bedingungen — und beseitige das schlechteste der Gefühle — die Judenfeindschaft. Heinrich, sanfter, edler Freund, gehorsame! Ich bin Dein treuer und ergebener Pestalozzi." II. Dr. Friedrich Dittes. Dr. Friedrich Dittes, früher Schulrat und Seminardrirektor in Gotha, zuletzt Direktor des Pädagogiums in Wien spricht in einem Kapitel seiner „Geschichte der Pädagogik" auch seine Ansichten üben die Juden aus. Nachdem er über die Araber als Förderer der Wissenschaft geredet, sagt er Folgendes: „Und so haben wir denn die Israeliten als das einzige pädagogische Volk des semitischen Stammes zu betrachten. Sie allein stehen noch heut als lebendiger Zweig dieses alten Stammes inmitten der großen Völkerfamilie; Jahrtausende hindurch, unter egyptischer» babylonischer, persischer, maeedonischer, syrischer und römischer Knechtschaft, unter Verfolgungen durch Heiden, Christen und Muhamedaner, unter dem Drucke harter Gesetze, unter der Verachtung der Nationen, unter der aussaugenden und entwürdigenden Staatskunst der Regenten, haben;fie ihr Eigenleben bis auf diesen Tag behauptet; ihre Freiheit, ihre Rechte, ihre Arbeit, ihre Existenz standen fast immer und überall in Frage, ihr Vaterland, fast auch ihre Sprache haben sie verloren; aber ihr Blut, ihren Charakter, ihr Selbstgefühl, ihren Nationalstolz ihren Glauben haben sie bewahrt. Wenn irgend ein Volk auf dem weiten Erdenrunde, so haben die Israeliten bewiesen, welche Macht einer consequenten Erziehung eigen ist. Über die Erziehung bei den Juden spricht sich Dittes also aus: „Das Familienleben ist seine Basis, die Familienerziehung die Grundforni seiner pädagogischen Praxis, der Familiensinn, das feste Zusammenhalten der Blutsverwandten, bildet einen Grundzug der israelitischen Nationalität. Ehrfurcht, Gehorsam und werkthütige Dankbarkeit ist heilige Pflicht der Kinder gegen ihre