Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1897)
- Date
- 1897-06-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
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123 Solch eine knappe Überlieferung ist der Bericht von Mischna und Talmud über „das Freudenfest des Wasserschöpfens." Von diesem Teile des Laubhüttenfestes kann gesagt werden, daß er unbestritten. Meinungsverschiedenheiten finden sich allein bei folgenden unwesentlichen Punkten: 1. Bezüglich des Namens des Festes. R. Jehuda nennt es „Schoebah", hingegen R. Ena - gewiß nur des-gleichklingenden Wortspieles wegen — „Haschoebah" 2. Ein anderer unbedeutender Streit entspann sich darob, ob das Gefäß, aus welchem das Wasser auf den Altar gegossen wurde, aus Silber oder aus Gips war. 3. Endlich wurde ernst verhandelt, ob die Strenge des Sabbat- oder Festverbotes mit der Ceremonie dieses Freudenfestes gebrochen werden dürfte. Die an letzterem Streitpunkte sich Messenden nennen das Fest „überflüssige Freude". Schon aus dieser letzteren Benennung ist ersichtlich, daß die Tradition über dieses Freudenfest nicht blos deshalb nicht gründlich besprochen wurde, weil es seit Zerstörung des jerusalemischen Tempels der eigentümlichen Ceremonien wegen nicht eingehalten werden konnte, sondern auch deshalb, weil es nicht wesentlich zu den Ceremonien des Laubhüttenfestes gehörte. Die Darlegung des Verlaufs dieses Freudenfestes — da es den Talmudlehrern nur „überflüssige Freude" schien — ist allerdings kurz, mangelhafi und der ganze Verlauf sehr dunkel, doch können wir als gewiß annehmen, daß gerade infolge dieser Jgnorirung der Bericht durch die Tradition bewahrt worden ist. Von dieser Annahme ausgehend behandle ich die Ceremonie, den Ursprung und die Entstehungszeit des Freudenfestes des Wasserschöpfens. I Alle Angaben über den ganzen Verlauf des Freudenfestes des Wasserschöpfens sind enthalten in M. Sukka V, 1—4; I V, 9; Tosifta (ed. Zuckermandl) Sukka IV, 1—9 und Talmud b. Sukka 50 a—53 b. Diese Quellen haben uns folgende Tradition über das Fest bewahrt: Das Flötenspiel, das zur Hebung der Festfreude diente, dauerte aus Rücksicht auf den in's Laubhüttenfest fallenden Sabbat fünf bis sechs Tage hindurch und wer dieses Freudenfest des Wasserschöpfens nicht gesehen, der hat wahre Freude noch nie im Leben gesehen. Am Ende des ersten Tages der Laubhütten gingen Priester und Leviten hinab in den Hof der Frauen, wo sie wichtige An-, vrdnungeil trafen. Diese Zurüstung war notwendig, denn früher waren nur Frauen im Hofe, die Männer hingegen standen draußen auf dem Felde oder auf den Mauern; als jedoch leichtfertige Mißbräuche stattfanden, mußten später die Plätze gewechselt werden, die Frauen blieben draußen und edle Männer kamen in den Hof; dem Leichtsinn wurde jedoch auch dadurch kein Damm gezogen, was zur Folge hatte, daß man den Hof an drei Seiten mit Galerien umgab, auf welchen dann die Frauen standen, während die Männer unten im Hofe Platz nahmen. Aus Gold verfertigte hohe Säule» (Armleuchter) waren im Hofe aufge-