Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1897)
- Date
- 1897-05-01
- Page
- Seite 118 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 ist die alte jüdische Musik?" Der Vortragende besprach zunächst die in der Bibel erwähnten Instrumente, welche zur Zeit des ersten Tempels in Anwendung kamen. Diese Tempelmusik, von der aber keine Spur mehr vorhanden, wurde in der nachbiblischen Zeit ausschließlich durch Recitation ersetzt, die wir uns durch Vergleiche nnt der gleichzeitigen Entwicklung der altchristlichen und griechischen Musik zum Teil wohl noch rekonstruieren können und müssen, weil sie die einzige originale Musik sei. Die höchst interessanten Ausführungen des Redners erweckten allgemeines Interesse und fanden bei dem zahlreich versammelten Auditorium, in dem namentlich musikalische Kreise vertreten waren, lebhaften Beifall. — Die erste jüdische Hofsängerin in Preußen hieß Hrentgen Warrus In einem Briefe - des Großen Kurfürsten an den Fürsten von Anhalt und seine Geheimräthe in Berlin, datiert vom 6. Juli 1690 aus Wesel, heißt es: „Marcus Jsaac Inden, sambt Seiner bey sich habenden Tochter Brentgen bey Unserer Hochgeliebten Gemahlin niit singen aufwarten und nach derselben gutfinden sich weiter in der Music üben und perfectioniren, auch Ihre habende ungemeine stimme nach der kunst und Methode einrichten und employren lerne" ... Darauf antwortet der Fürst von Anhalt am 25. Juli: „Der Jude sei aufgenommen, weil aber E. CH. D. Gemahlin sich anitzo nicht hier, sondern zn Hannover befindet, so werde deroselben Ich, der Statthalter, von dieses Juden Tochter Brentgen Marcus, und ihrer ungemeinen Stimme, die Ich selbsten gehört und admiriret habe, alsoforth Nachricht geben, und dero gnädigsten Befehl erwarten, ob diese Jüdinne sich dorthin begeben oder bis zu dero Gott gebe! glücklichen Zurückkunft sich alhier auffhalten solle",.. Über die weiteren Schicksale der Sängerin ist außer diesen beiden Briefen, die Ludwig Geiger in seiner „Geschichte der Juden in Berlin" mitteilt, nichts Näheres bekannt geworden. — Anläßlich der fünfzigsten Wiederkehr des Tages der Erstaufführung von Halevys Oper „Die Jüdin" im königl. Opernhause zn Herlin (12. Februar 1847) wurde folgendes .Ereignis, welches damals das gesammte künstlerische Berlin lebhaft bewegte, hervorgehoben: Die Ausstattung hielt wie die Aufführung (die nur durch den unglücklichen phlegmatischen Darsteller des Prinzen, Herrn Pfister, einigermaßen gestört wurde), was man sich davon versprochen hatte. Einen Zug von ähnlicher Pracht^wie das Einreiten Kaiser Sigismunds in Konstanz zu Ende des ersten Akts glaubte man in Berliil noch nie zuvor auf einer Bühne gesehen zu haben. Frl. Tnizek war eine sehr anmutige Prinzessin, Böttcher als Kardinal eine Gestalt tote ein lebendig gewordenes Tizianisches Porträt, und im Gesang und Spiel gleich bedeutend und angemessen. Herr Kraus sang und spielte den Eleazar (eine Tenorrolle im weißen Bart und Haar!) so trefflich, daß Turgenjew versicherte, er stünde nicht inerklich gegen den vielgepriesenen Schöpfer der Rolle in Paris, Duprv, zurück. Die berühmte Arie im vierten Akt „Als Gott mir, Recha, Dich zur Tochter einst gegeben, und zitternd diese Hand dem Kinde Nahrung bot, that ich den heil'gen Eid, zu wachen für Dein Leben; und ich gebe