Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1897)
- Date
- 1897-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 117 — nicht so viele Gerechte finden lassen wie in Sodom und Gomorrha? — so würde die jüdische Bevölkerung empfinden, daß der Staat aus der Judenfrage nicht eine Frage des Glaubens, sondern eine solche der Erziehung macht, sie würden nicht ans politischer Hoffnungslosigkeit sich der berufsmäßigen Opposition zuwenden oder gezwungen sein, das widerwärtige und unsittliche Bild associierter Interessen- und Glaubensbegriffe beständig sich vor Augen zu halten. Er würde vielmehr die Menge an den wenigen Auserwählten niessen und in ihnen ein greifbares Ziel der Selbsterziehung erblicken. Gerechtigkeit schuldet der Staat selbst seinen verlorensten Söhnen, seine Weisheit muß es verhüten, daß in den Seelen gerade der Besten dieses unglücklichen Stammes ein Funke koriolanischen Zornes sich entfache. — Vor kurzem entdeckte der ehemalige Professor der theologischen Schule in Jerusalem, Kleopas Kikilides, bei einem Besuch der Gegenden jenseits des Jordans in der alten Moabiterstadt Mahedan, die in einer überaus fruchtbaren Ebene liegt und zur Zeit der makedonisch-römischen Herrschaft, sowie später unter den byzantinischen Kaisern in hoher Blüte stand, unter den Trümmern einer alten christlichen Kirche auf dem Fußboden dersell en eine alte, in Mosaik hergestellte Karte von Palästina, Syrien und Ägypten aus dem 5. Jahrhundert n. Ehr., leider aber in ziemlich verstümmeltem Zustande. Diese merkwürdige Entdeckung ist von Wichtigkeit nicht nur für die christliche Archäologie, sondern auch für die Geschichte und Geographie jener Zeit, in der diese Karte entstanden ist. Sie begnügt sich nämlich, was besonders wichtig ist, nicht bloß mit der Aufzeichnung der Namen, sondern giebt mit mathematischer Genauigkeit Plan, Gestalt und Größe der einzelnen Städte an, ferner wieviel Thore, Türme und Bollwerke jede von ihnen besaß, ob diese nach Osten oder Westen zu gelegen waren, wieviel Hauptgebäude die Stadt zählte, und welches der Name der Stadt in jener Zeit war. Mit besonderer Genauigkeit und Sorgfalt sind auf der Karte die Stadt Jerusalem, der Nil und seine Arme dargestellt. Die Farben, die größtenteils noch erhalten sind, zeigen große Lebhaftigkeit. Kleopas Kikilides gedenkt demnächst eine Reproduktion der merkwürdigen Karte zu veröffentlichen. Theater, Musik und bildende Kunsi. Jiingst fand in Sudapest in Anwesenheit Goldmarks die hundertste Aufführung der „Königin von Saba" statt. Das Haus war gänzlich ausverkanft und nahm man die Oper wie eine Premiere auf. Goldmark mußte nach jedem Aktschluß nnzähligeniale vor der Rainpe erscheinen und wurde mit Kränzen überschüttet. — Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" in Herlin hielt Herr Universitätsprofessor Dr. Fleischer einen Vortrag über das Thema: „Was