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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-05-01 · Heft 5 (1.5.1897) · p. Seite 116

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (1.5.1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 116 (sequence 20)
Language
German
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116 j »i'/ , Meferale und Witteitungen. Von Herr Rabbiner Dr. Groß in Augsburg ist ein Werk französisch übersetzt von M. Bloch in Paris, unter dem Titel „GalHa Judaica“ erschienen, welches für die Geschichte der Geistesthätigkeit der Juden in Frankreich im Mittelalter von großer Bedeutung ist. Die geographischen Namen wie Avignon, Arle, sur Aube, Corbeil, Chinon, Carpentras, Dampiere, Evreux, Falaise, Montpellier, Marseille, Narbonne, Perpignan, Ramern, Reinis, Trohes, welche die Centren der jüdischen Wissenschaft bildeten, werden besonders behandelt. Für die Geschichte der Tosasisten ist dieses Buch eine reiche Fundgrube. — Von Herrn Rabbiner Dr. I. Unger in Iglau ist die Festrede erschienen, die er anläßlich der Einweihung des renovierten israelitischen Gotteshauses gehalten. Er spricht sich in derselben über Zweck und Ziel des Gotteshauses aus, welchem die schone Aufgabe wird, die erdwärts strebenden Menschen von den sumpfigen Niederungen des Alltagslebens zeitweilig mindestens zu höheren Regionen des Ahnens und Empfindens emporzuheben. — Man schreibt uns: „Die Zukunft" von Maximilian von Harden bringt in Nr. 23 einen Artikel „Höre Israel" von W. Hartenau, in welchem derselbe, ein Jude, von einem freiwilligen unsichtbaren Ghetto der Juden spricht, die darum kein lebendiges Glied des Volkes werden können. Er klagt darüber, daß bei den Inden der Satz gilt: „Wer den Reichtum besitzt, der hat die Macht", und meint, statt der Vereine zur Abwehr sollten Vereine zur Einkehr gegründet werden. Als ob nicht auch in anderen Kreisen der Satz von der Macht des Reichtums seine Geltung hätte. Beachtenswert ist es, wenn er meint, es müßte ein jüdisches Patriziertum nicht des Besitzes, sondern der geistigen Kultur geben und mehr Selbsterkenntnis und mehr Selbsterziehung, welche wahrlich ebensowenig den Juden >vie den Menschen überhaupt schaden. Wir glauben, daß auch in anderen als jüdischen Kreisen schwer der Mittelweg zwischen wedelnder Unterwürfigkeit und schnöder Arroganz zu finden ist, und daß die Reichsten für die Besten gehalten werden, kan» man auch sonst beobachten. Daß die kultiviertesten Inden unbeachtet bleiben, ist ein Zeugnis ihrer Bescheidenheit, die es ablehnt, die verdiente Aufmerksamkeit auf sich hinzuleuken. Es liegt etwas Wahrheit allerdings darin, daß die Männer des Geistes im Judentum nicht den Einfluß haben und daß über ihren Kopf hinweg viele Unberufene das große, nicht immer richtige Wort führen. Wenn wir auch Herrn Hartenau in seinen Auslassungen nicht zustimmeu können, so verdient seine Mahnung an den Staat umsomehr Beachtung, der nach ihm die Pflicht hat, von dem Grundsätze „Jude ist Jude" abzusehen und mit der Erkenntnis sich zu befassen, daß auch innerhalb des Judentums Unterschiede und Abstufungeu bestehen. Die grundsätzliche ausnahmslose Aus-' sperrung der Inden müsse aufhören Gäbe es auch nur eine Handvoll jüdischer Beamten und Offiziere — und sollten unter einer halben Million Menschen sich

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