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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-05-01 · Heft 5 (1.5.1897) · p. Seite 110

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (1.5.1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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110 53. Lebensjahre allgmein betrauert, gestorben. Die Heimgegangene war lange als Aufsichtsdame des jüdischen Kranken- und Siechenhanses thätig. — Durch Urteil des Schöffengerichts wurde der bekannte Antisemitenführer Wengg in München wegen groben Unfuges durch Verbreitung eines Flugblattes mit Auszügen aus dem Talmud und dem Schulchan Aruch zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Gericht hat angenommen, daß in dem verbreiteten Auszug allerdings Sätze enthalten seien, welche Sittengesetze der Juden darstellen, daß aber diese Sittengesetze unter den heute bestehenden Staatsgesetzen nicht mehr gelten können. Von einer Freiheitsstrafe sei deshalb abgesehen, weil Wengg so verblendet gewesen ist, daß er in seinem Hasse gegen die Juden die Mittel nicht mehr von einander zu unterscheiden vermag. — Das „Memeler Dampfboot" hatte eine eigentümliche Entführungsgeschichte erzählt, die sich vor Kurzem in dem russischen Grenzstädtchen Kitawen abgespielt haben sollte. Vor etwa 14 Tagen, so hieß es dort, sei zur Nachtzeit die bildschöne 17 Jahre alte Tochter des jüdischen Landwirts Malamit in Ritaven von Dienern des Fürsten Oginsky - Ritawen aus ihrem elterlichen Hause entführt und auf das anderthalb Meilen von Ritawen entfernte Schloß des Fürsten gebracht worden. Alle Bemühungen der Eltern, ihre Tochter zurückzubekommen, seien erfolglos gewesen und der Fürst habe ihnen nicht einmal gestattet, ihr Kind zu sehen und zu sprechen. Als Grund der Entführung habe der Fürst Oginsky angegeben, er beabsichtige, das Mädchen — römisch-katholisch taufen zu lassen. Wie nun die „Neuen Hess. Volksbl." mitteilen, hat der Großvater des geraubten Mädchens, Herr Wolf Berelowitz, in einem Schreiben an den Herrn Oberkantor Th. Nettler in Mannheim die Nachricht von der Entführung vollständig bestätigt. Die Entführung sei in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar erfolgt und die Eltern hätten von der Gewaltthat nichts bemerkt, weil das Schlafzimmer des Mädchens von demjenigen der Eltern entfernt lag. Auf die flehentliche Bitte der Mutter ihr Kind, doch nur einen Augenblick sehen zu dürfen, habe der Fürst Oginsky geantwortet: „Ich fürchte, Sie und Ihre Tochter könnten sterben, sobald Sie sich Wiedersehen!" Die Anrufung der Polizei hat keinen Nutzen gehabt. — Man berichtet aus Kerlin: Die letzten Tagebücher Emin Paschas gingen im Kaiser- Hof währeitd der Sitzung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller von Hand zu Hand. Herr Redakteur Georg Schweitzer hatte diese Reliquien mitgebracht als Quellen seines Vortrages über Emin Pascha. Herr Schweitzer, der Emins Testamentsvollstrecker ist, hatte noch ein anderes Gut aus der seiner Obhut auvertrauten Hinterlassenschaft Emins mitgebracht/ In der ersten Reihe saß ein zwölfjähriges, schwarzhaariges Mädchen mit zarten orientalischen Gesichtszügen, Ferida, des Paschas einzige Tochter, und folgte aufmerksam dem Redner, der von ihrem Vater berichtete. Neu waren dem Publikum die Blätter selbst, auf denen Emin täglich Buch geführt. Die Tagebücher haben die Gestalt dicker, sauber gehaltener Schuldiarien. Mitten im afrikanischen Urwalde von einem nahezu

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