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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-05-01 · Heft 5 (1.5.1897) · p. Seite 104

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (1.5.1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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— 104 pflegt. Ein älterer Mann, eine Art Aufseher, beging fortwährend den Platz, indem er gleichzeitig von dem Hohenpriester Befehle entgegennahm resp. solche erwartete. Der bis dahin bedeckt gewesene Himmel klärte sich im Augenblicke des Sonnenuntergangs auf, die Sonne kam noch einen Augenblick zum Vorschein und zauberte am östlichen Horizonte einen prachtvollen Regenbogen hervor. In diesem Moment — ein Zeichen des Hohenpriesters — ein Blitzen von sieben haarscharf geschliffenen Messern — und der Schlachtakt war vorüber. Damit hatte die Aufregung ihren Höhepunkt erreicht; Alles umarmte sich, und begrüßte sich mit dem Friedenskuß — ein bekannter orientalischer Brauch — und auch dem Hohenpriester küßte man die Hände, sodann beeilte man sich die Lämmer aufzuhängen und ihnen das Fell abznziehen, zu welchem Zwecke man aus den Kesseln heißes Wasser herbeiholte; man schnitt die Wolle von den Häuten, entfernte die Eingeweide, und schnitt die dem Hohenpriester gehörende rechten Schulterstücke ab. Nnn wurden die Tiere mit den Hinterfüßen nach oben auf einen langen Spieß gesteckt, und unter dem Kopf ein Querholz befestigt, so daß es einem auf dem Kopfe stehenden Kreuz ähnlich sah und jedes Teil, selbst wie es schien auch die Wolle vorsichtig mit Salz bestreut. Hierauf brachte man Lichter herbei und die Tiere werden genau darauf untersucht, ob alles vorschriftsmäßig ausgeführt sei. Bei einem Lamm war der Schächtschnitt nicht in korrekter Weise ausgeführt, und wurde daher ein anderes Tier herbeigeschafft und mit demselben die ganze Operation auf's Neue vorgenommen. Gegen 9 Uhr nachts war alles zum Braten bereit. Es war ein zauberischer Anblick, als alle die weiß-gekleideten Gestalten in hellemZMondscheine, um die offene Grube standen, aus der die Hellen Flammen emporloderten; die am nächsten stehenden sieben Männer drehten unter fortwährendem, durch kurze Pausen unterbrochenen wilden Gesänge und in gleichmäßigem Hineinwerfen'Mre Spieße in dem feurigen Schlunde. Endlich wurde ein schweres Gitterwerk über die Öffnung gelegt und Rasen und Erde darauf geworfen bis die Glut gedämpft war, so daß nur noch die Enden der Spieße aus dem so geschlossenen Ofen hervorragten. Eine nun folgende Pause von mehr als zwei Stunden wurde ausgefüllt durch eine lebhafte aber ungeordnete Diskussion theologischen Inhalts zwischen dem Hohenpriester und den übrigen Anwesenden in des ersteren Zelt. Allem Anscheine nach glauben auch die Samaritaner an den Messias und hoffen auf seine Ankunft, jedoch nur mn von ihm eine völlige Wiederherstellung der von Moses gegebenen Gesetze in ihrer vollen Ursprünglichkeit zu erwarten; auf eine an den Hohenpriester gerichtete Frage wann sein Kommen zu erwarten wäre, gab derselbe die Antwort, die aus dem Talmud stammt: Wenn in der ganzen Welt nur Ungläubige sind. Das Peßachopfer wird von ihnen in der Hauptsache als ein rituelles Gedächtnis-

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