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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-05-01 · Heft 5 (1.5.1897) · p. Seite 102

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (1.5.1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 zu jener Zeit eine ganz andere Bedeutung als heute. Gleich den fahrenden. Schülern des Mittelalters mußten auch die jüdischen Weisheitsjnnger von Ort zu Ort wandern — und wie beschwerlich, wie gefahrvoll war das Reisen dazumal, namentlich für Juden! — um die Lehrhäuser berühmter Männer aufzusuchen. Unter den Juden Deutschlands finden wir Wenige, die sich dem Studiuni der exakten Wissenschaften Hingaben. Um so mehr verdiene ein Mann hervorgehoben zu werden. Moses ben Chisdai aus Tachau (Böhmen), den man zu den Deutschen zählen dürfe, der in seiner Polemik gegen die rationalistischen Ansichten des berühmten Jbn Esra merkwürdige Ansichten über die Bewegung der Erde kundgiebt, welche mit dem Kopernikanischen System auffallende Berührnngspunkte haben. Ähnliche Ansichten habe ein indischer Weiser schon viel früher gelehrt, und es bleibt für uns ein Rätsel, auf welchem Wege diese Lehren nach einem entlegenen Winkel Europas gedrungen sein sollen. Unter den Juden Spaniens, Italiens und Frankreichs war die Beschäftigung mit den exakten Wissenschaften eine viel häufigere, intensivere, und namentlich in dem sonnigen Spanien treten zwei Sterne erster Größe auf, deren Namen jedem Juden geläufig sind: Abraham ibn Esra und Moses Maimonides. Sie standen auf der Höhe der zeitgenössischen Bildung, ja, in mancher Beziehung waren sie ihrer Zeit voransgeeilt. Jbn Esra war ein tüchtiger Mathematiker, der in dieser Wissenschaft verschiedene Werke verfaßte. Um ein gemeinverständliches Beispiel zu geben, zeigte der Vortragende den Weg, wie ibn Esra die sogenannten „vollkommenen Zahlen," bei denen die Teilungsprodukte gleich der ganzen Summe ist, und die magischen Quadrate berechnete. Die Quadratur des Kreises, ein Problem, das bis auf unsere Tage zahllose Mathematiker beschäftigte, wurde auch von jüdischen Gelehrten versucht. Doch schon Maimonides schreibt, daß dieses Problem eine vollkommene Lösung nicht gestattet, eine Erkenntnis, die erst in unserer Zeit unwiderleglich dargethan wurde. Der pythagoräische Lehrsatz war natürlich den jüdischen Gelehrten geläufig und auch den Wert der Wurzel zwei haben sie annähernd richtig bestimmt. Über die Gestalt der Erde und den Kreislauf der Sonne herrschten teils verworrene, teils richtige Anschauungen, ja, wir finden im Sohar eine Anführung aus dem Buche des R. Hamnuna, welche erst neuerdings das Erstaunen und die Verwunderung der Gelehrten hervorgerufen hat. Asarja de Rossi führt in seinem Werke „Meor Enajim" diese Stelle an, welche erst vor Kurzem von Professor Wackerbart in Upsala einer Besprechung unterzogen wurde. Was Kopernikus Jahrhunderte später auf Grund seiner Beobachtungen und Berechnungen mit genialem Geiste entdeckt hat, das wurde hier wenigstens in Bezug auf unsere Erde, mit dürren Worten gelehrt: Die Drehung der Erde, der Wechsel von Tag und Nacht, die Stellung der Antipoden und die Tage und Nächte an den Polen. „Die ganze Erde," so heißt es daselbst (5. B. M. 4, 1) „dreht sich wie ein runder Ball, diese sind oben, jene sind unten, alle diese Menschen sind

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