Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-05-01 · Heft 5 (1.5.1897) · p. Seite 101

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (1.5.1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969837-2969843--5069-2974356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

‘ — 101 — nämlich die Anpassung des jüdischen Glaubens bei Jenen, die nicht znm jüdischen Volke gehören, aufznhalten.-Die üblichen Merkmale einer erzwungenen Sonderheit sich ausprägendeu Formenzwang, wie das Bedeckthalten des Kopfes, Abge« trenntheit der Geschlechter, Enthaltung vom Knieen während des Betens, wären zu vermeiden. Der wesentliche Teil des jüdischen Gebetbuches jedoch wäre von Nutzen und im höchsten Grade von Notwendigkeit. — Das „Schema", nämlich die Verse des ersten Absatzes aus dem Deuteronomium, wäre absolut notwendig, so wie es steht. Und diese Worte würden die einzige zu empfehlende Glaubensform bilden, indeß einzelne ausgewählte Stücke aus den „Hymnen der älteren und neueren Zeit" für den gottesdienstlichen Gesang von Nutzen wären. Ich will es klar verstanden wissen, daß meine Bemühungen dahin gerichtet sind, nur eine Lücke in der religiösen Welt ausznfnllen, nicht aber irgend eine vorhandene religiöse Organisation, sie sei unitarisch oder christlich, anzugreifen. Kein Jude möchte um eine Sache sich bemühen, deren Illoyalität und Unaufrichtigkeit ein Trenbruch gegen die Religion und Rare Israels wäre. Die Wedeutung des mittelalterlichen Judentums für exacte Wissenschaften und Waturforfchung. Über dieses Thema hielt im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" in München Herr Landtagsabgeordneter Professor Dr. Günther einen Vortrag. Nach einigen einleitenden Worten, betonte Herr Dr. Günther, daß er selbst zn seinem Bedauern nicht unmittelbar aus den jüdischen Quellen schöpfen könne, da die hebräische und rabbinische Sprache ihm fremd sei. Bei seinen Forschungen auf diesem Gebiete stützte er sich auf die Arbeiten von Znnz, Steinschneider, Güdemann, Sapira und Werthheim, sowie auf mündliche Auskünfte, die ihm von dem seligen Dr. Grünbaum, Rabbiner in Ansbach, und von dem bekannten Mäcen Abraham Merzbacher in München zu Teil wurden. Ungeteilte Anerkennung und Bewunderung verdiente es, so führte Redner aus, wie die Juden, trotz aller , Verfolgungen und Bedrückungen mit unverwüstlicher Liebe die Wissenschaft pflegten. Dabei waren es nicht praktische Interessen, welche sie hierzu anregten, denn gerade die exakten Disziplinen, ivie Mathematik, Astronomie wurden von ihnen mit besonderer Vorliebe gepflegt. Man könnte sich heute gar keine Vorstellung machen, mit welchen Schwierigkeiten die Gelehrten und Wissensdurstigen im Mittelalter ■< zu kämpfen hatten, um zn den Quellen der Erkenntnis vorzudringen. Druckwerke gab es nicht, Handschriften konnten mir unter großen Koste» und Schwierigkeiten, erlangt werden; die Schüler mußten zu Füßen eines berühmten Meisters sitzen j um ans seinem Munde Belehrung zu empfangeu, und die .„Kollegienhefte" hatten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.