Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1897)
- Date
- 1897-05-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 100 — gelehrt wird, ist ein Erreichbares, das in der Zeitigung und Läuterung der allen Menschen genieinsainen Fähigkeiten gesucht werden muß.- Es ist mehr die Berührung mit dem Leben des Ideal-Hebräers als seine Theologie, ans der die stärkste Geisteskultur im Christentum entsprungen ist. Es ist hier eine Art persönliche Vertrautheit mit einem Manne emporgewachsen, der mit Gott lebte und den das Christentum als das leuchtendste Beispiel für die Menschheit betrachtet, für die Entwickelnngsfähigkeit eines Lebens in Gott. Vom jüdischen Gesichtspunkte, der eine solche von mir vorgeschlagene Propaganda an den Tag legen würde, würde dem Wert des Beispiels dieses Ideal- Hebräers nicht Abbruch sondern eine Steigerung zu teil werden. Die Immanenz Gottes in der Menschenseele, vom Christentum durch das Werkzeug der Mittelschaft centralisiert, würde in ihrer ganzen Stärke ohne Mittelschaft sich vorhanden zeigen. Das wäre eine neue Heilsbotschaft für die Christen. — Der größte nichtjüdische unitarische Lehrer dieses Jahrhunderts sagte: „Wir ersetzen einen Gott mit einem „Throne" und einem „Fußschemel" und „einem Sitze zur Rechten und zur Linken" durch die lebendige Gegemvart eines universellen Geistes, der uns aus allem entgegenblickt, was schön ist, und mit uns in allein beratschlagt, was recht ist. (Rev. James Martineall, Rede bei der Eröffnung des Manchester-Kollegs, Oxford 1893.) Hier ist volle religiöse Gleichheit zwischen dem geistigen Ideale des Inden und des Nichtjuden. Lohnt es nicht der Mühe, die Resultate eines Zusammentreffens zweier geistiger Strömungen, die ans einer und derselben Quelle immer so weit auseinander flössen im Zeitenlaufe, bis sie endlich beim Ausgange dieses denkwürdigen Jahrhunderts streitender Glaubenssätze und fortschreitender Wissenschaften zusammenkamen, zu erörtern? Wäre es nicht ein offenbarer Gewinn für die Civilisation und für die Entwicklung der religiösen Ideen, wenn zwischen Christentum und Judentum eine Verbindung direkten religiösen Verkehres vorhanden wäre? Christen, sogar der vorgeschrittenen unitarischen Richtung, war bisher das geistige innere Leben des Judentums unbekannt. Ich habe vorgeschlagen, sie damit bekannt zu machen, und zwar in der Weise, daß einzelne unverdächtig der Synagoge ergebene Juden in englischer Sprache an Sonntage» Gottesdienste mit Vorträgen abhalten sollten, die zugleich den Außenstehenden den innersten Glauben Israels darzustellen hätten. Solche Gottesdienste könnten in der Synagoge selber oder in anderen Gebäuden, die zu diesem Zwecke gemietet oder errichtet werden, stattfinden. Vereinigungen dieser Art von Engländern nichtjüdischen Ursprunges sollen mit den jüdischen Einrichtungen dieses Landes in engste Verbindung gestellt werden, wenn sie von zweifellos im Vorhinein unabhängigen Personen gestiftet wurden. Jüdische Riten oder Gebräuche sollten von diesen gottesdienstlichen Stätten insoweit ausgeschlossen werden, als sie geeignet wären, den obersten Zweck dieser Bewegung,