Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1897)
- Date
- 1897-05-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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—■* r-’ .' ■<-*•**«-*» *«r ’•** <•■« ■ •”• ' *?*-Te» »r-r»- V» r-' - 99 - Was immer von meinem Plane gesagt werden mag, man kann nicht behaupten, daß er dem Ideal jenes großen hebräischen Propheten zuwiederliefe. Ich könnte viele Seiten damit ausfüllen, wenn ich all' das citieren wollte, was Israels verehrteste Lehrer über diesen Gegenstand gesagt haben; aber es ist vor allem notwendig, daß die Juden selber sich vor Augen halten, daß ihre Liturgie von der Missionsidee dnrchtränkt und gesättigt ist. Es ist keine zu starke Annahme, wenn ich geltend mache, daß das sogenannte „orthodoxe" und „reformierte" Judentum eins sind in der Hochachtung, die sie im Punkte der Mission für die Lehren der jüdischen Propheten hegen. „Ihr seid meine Zeugen", dieser Satz kann keinen Sinn haben, wenn die Hoffnung auf die Ausbreitung der Wahrheiten, deren Zeugen wir sind, ausgeschlossen wird.- Es wurde mir nahegelegt, daß eine derartige Bewegung die Wirkung hervorbringen dürfte, bereits wankend gewordene Juden der Synagoge zu entziehen und der jüdisch-theistischen Kirche zuzutreiben, wo natürlich der Gottesdienst an Sonntagen und in englischer Sprache stattfände. Lehrreich bei dieser ganz naturgemäßen Beurteilung ist der Umstand, daß damit nicht gesagt wird, diese Bewegung würde auch die standhaften Juden abziehen, nur die wankenden und halbgesinnten. Mit anderen Worten, einzelne Juden, die jetzt selten oder gar nicht in die Synagoge gehen, könnten angelockt werden, durch einen allwöchentlichen öffentlichen Gottesdienst, den Juden mit dem eingestandenen Zwecke, das Judentuni der Außenwelt zu lehren, leiten würden. Wenn nun zumerstenmale in ihrem Leben solche Personen jüdischer Geburt wiedererweckt werden für die Würde und Wirksamkeit des von ihnen sonst unbarmherzig vergessenen Glaubens, müßte ja klarer Weise die Rückwirkung auf die Synagoge eine günstige sein. Kein geborener Jude, der nur einen Funken religiösen Sinnes ererbt hat, genügend um ihn einer solchen gottesdienstlichen Stätte zuzuführen, wie ich sie andeutete, könnte sie verlassen, ohne im Glauben an die geistige Bestimmung seiner Race unaussprechliche Bereicherung zu erfahren. Wenn niemals früher, damals zumerstenmale in seinem Leben würde er etwas von jenen erhabenen Wundern erfahren — der jüdischen Geschichte. Der standhafte Jude andererseits würde in der Ausbreitung seines Glaubens eine verstärkte Verpflichtung erblicken, dessen Reinheit fortzusetzen und solche Traditionen zu bewahren, die für diesen Zweck unumgänglich sind. Der vollherzige Jude braucht überhaupt vielleicht keinen Stachel, denn in seiner eigenen Person, wie in der seiner Altvorderen, ist sein Glaube noch immer wie „ein Wunder für Viele". Aber auch der Keim jenes Glaubens, der hinausgetragen tvird über den Bereich seiner Erbgüter, könnte niemals das Vertrauen auf Gott und auf die ewige Liebe unendlicher Gerechtigkeit, woraus der Glaube Anderer erstehen soll, abschwächen. Religion ist anders als Vieles, ein Ding, das eher durch Keimlegung als durch Vorschriften bereitet wird. Gemeinsamkeit mit Gott, wie sie vom Judentum