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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-05-01 · Heft 5 (1.5.1897) · p. Seite 98

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (1.5.1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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' Die Erwägungen, die zu dem Glauben drängen, daß eine solche Bewegung möglich und vernünftig ist, sind zweifache. Zuerst und zuvörderst sind die von den Inden ererbten und entwickelten Auffassungen von Gott und der menschlichen Verantwortlichkeit solche, die für Nichtjnden sowohl, wie für uns selber geeignet und anpassungsfähig sind. Es sind echt menschliche und darum allgemeine Religionsideen. Zweitens ist die Thatsache unleugbar festgestellt, daß in breiten Massen von Engländern, namentlich der gebildeten Berufe, Verlangen und Bedürfnis nach einer Religion gehegt wird, die monotheistisch und zugleich historisch ist. Ich habe an anderer Stelle hervorgehoben, daß Skepticismus und Agnosticismus nicht beständige Züge im englischen Charakter sind. Im gegenwärtigen Zeitpunkte erscheinen sie stark genug und sind weithin ausgebreitet nicht allein unter den denkenden Klassen, sondern sogar in noch ausgedehnterem Maße, unter den Halbgebildeten. Eine der Wirkungen der Zunahme und Ausbreitung des nationalen Elementarunterrichtes war die Lockerung gewisser Bande, die weite Bevvlkerungsschichten teils an die gesetzlich festgestellte Nationalkirche, teils an die vielen nicht-conformistischen Sekten des Christentums knüpften.- Nicht länger werden die das Christentum vom Judentum hauptsächlich unterscheidenden Dogmen mit der früheren Zähigkeit von Jenen festgehalten, die man noch immer mit der Kirche Englands zu identificieren gewohnt ist. Der Unitarianismus, obwohl er im gewöhnlichen Sinne niemals populär wurde, hat in diesem Lande an Halt und Ausbreitung gewonnen.-Gesellschaften für ethische Knltur, abgelöst von Religionsverehrung, sind vor Kurzem gebildet worden. Aber vom Unitarianismus, wie er von seinen jetzigen gottesdienstlichen Stätten bekannt ist, und Mr. Voysey's Kirche und seinem weiteren Leserkreise und jeder sonst bekannten Organisation abgesehen, giebt es zahlreiche Leute, die nicht Agnostiker oder Atheisten sind, aber den formulierten Lehrsätzen des Christentums sich entfremdet haben. Viele dieser Personen sind der religiösen Verfassung gemäß angelegt, ohne jedoch von dem inneren Glauben der Bekenntnisse dieser oder jener Sekte des Christentums mehr als das bei alleil vorherrschende Gepräge zu kennen. Auf diese Personen, ineine ich, sollen wir das Volk Israel, das innere geistige Leben des Judentums einwirken zu lassen uns die Mühe geben. Ich habe zu diesem Vorschläge bemerken gehört, daß die Synagoge allen Besuchern offen steht und wir stets gewillt sind, sie hier willkommen zu heißen. Darauf ist die Antwort die folgende: Eine religiöse Organisation, sie möge Kirche oder Synagoge heißen, muß, wenn sie neue Anhänger erwerben will, ihnen nicht . die Freiheit der Gastfreundschaft, sondern die Herberge einer Heimat bieten. Wenn; wir die Ideale der hebräischen Propheten zu Rate ziehen, so finden wir ein solches! getreu darin wiedergespiegelt. Der zweite Jesaias sagte von solchen Leuten: f „Fürwahr! Dieseil gebe ich in meinem Hause und in meinen Mauern Besitz und *.einen Namen, der besser ist, als Söhne und Töchter." (56,5.)

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