Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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WWW T- — 94 — wollen wir etwas länger bei dem „der Kremsier Reichsrat" nberschriebenen Kapitel verweilen, nachdem wir noch Wichtiges aus der früheren Geschichte hervorheben. Die Gemeinde jKremsier nahm Stellung gegen Chorin, der ans der Nähe stammte und Fürstbischof Erzherzog Rudolf 1826 erhob vermutlich, veranlaßt durch die Kremsier Gemeinde seine Stiinme gegen Einführung deutscher Gebete. 1805 sind die Franzosen in Kremsier eingefallen und verweilten dort einen Monat. Vorsteher B. Eisler mußte ihnen das im Tauchbade aufbewahrte Silber ausliefern. Am 18. Oktober 1818, einem Versöhnungstage wurde Kronprinz Ferdinand unter einem Baldachin in den Tempel geleitet, er hörte das Kaisergebet und die alten Sangweisen an und küßte beim Umzüge die Thora, welcher feierliche Akt durch eine Gedenktafel verewigt wurde. Am 6. Oktober 1848 fiel Em. Epstein als Tambour der Nationalgarde auf der Brigade in Wien; für ihn wird am Eingang des Versöhnungstages alljährlich ein Jahrzeitslicht angezündet. Für den 15. November 1848 wurde der Reichsrat nach Kremsier einberufen an welchen auch jüdische Abgeordnete Teil nahmen: Med. Dr. Adolf Fischof, Dr. Josef Goldmark, Großhändler Abraham Halpern, Jsaac Noa Mannheimer und Rab. Baer Weisels. Letzterer soll zu dem Präsidenten Smolka, der ihm seinen Sitz auf der Rechteil anwies, gesagt haben: Wir Juden haben keine Rechte- Damals wurde in Kremsier das Schulktopfen abgeschafft und das Mizwothverkaufen am Sabbath in der Synagoge und das Aufrufen mit Namen. Mannheimer besonders konnte sich an die unruhige Haltung der Tempelbesucher nicht gewöhnen. Der -greise Rabbiner Josef Weiße war Familiant in Kremsier und hielt am 8. Juni 1847 gelegentlich der Schulvisitation Someraus eine Rede, in welcher er ihn mit Josef verglich. Thränenden Auges reichte der Cardinal dem Redner, der auf einem vom Schlosse nach dem Tempel gebrachten Fauteuil sitzend der Rede lauschte, die Hand mit den Worten: „Sie haben mir altem Manne eine rechte Freude gemacht." Landsrabbiner Hirsch predigte (Abschnitt Wajechi) über Mose als Vertreter des Gesetzes, Aron als Vertreter des Gottesdienstes und Mirjam als Repräsentantin der Wohlthätigkeit. Es sollen auch damals nn Hanse des Rafael Kohen Zusammenkünfte stattgefunden haben, bei denen Weisels sich über die talmudischen Kenntnisse des Landsrabbiners S. R. Hirsch sehr abfällig geäußert haben soll, indem er von ihm sagte er wäre „Ein schöner Rosch hakohol". Wir können das Referat nicht schließen ohne der Humanität der damals das Gymnasium leitenden Piaristen zu gedenken, die ausgezeichnet als Pädagogen und Menschen uns stets in ehrender Erinnerung bleiben werden. Wir nennen nur die Namen: Alhanas Meyer, Mattel, Albrecht, Mathia, Garreis und Wessely, deren edles und humanes Wirken in unserer Zeit besonders hervorgehoben zu werden verdient.