Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
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— 89 — ches-Bäcker" — so nannte man ihn, weil er im „Judenbrückchen" wohnte' — vorbei. Als Bekannte begrüßten sich Beide nnd Herr von Bethmann benutzte die Gelegenheit, um von seinem abgelehnten Antrag betreffs der Wiederhineinzwängung der Juden in das Ghetto zu sprechen. „Ja, Herr v. Bethmann, es is ewe e anner Zeit: Wann die Worscht geplatzt is, will's Füllsel net mer enei." Dies die bilderreiche Antwort des mit Schweineschlachten sehr bekannt gewesenen Bäckers. — Man schreibt uns: Am 1. April feiert Herr K. Ware das Jubiläum seiner ununterbrochenen 50jährigen Thätigkeit als Lehrer der israelitischen Gemeinde zu Alsheim in Rheinhessen. Gemeinde, Freunde und Schüler des verdienstvollen Schulmannes und Philantropen treffen Vorbereitungen, um den Ehrentag des noch in voller Rüstigkeit stehenden Jubilars würdig zu begehen. — Herr David Schwär;, der Erfinder eines mehrfach erwähnten Aluminium-Luftschiffes, von dessen Lenkbarkeit man in Berliner Fachkreisen viel hielt, ist in Wien plötzlich am Blutstnrz gestorben. — In Drilnn wurde ein israelitischer Freitisch- Verein in's Leben gerufen. — In Meran starb Herr Dr. med. Richard Gppen« heim im Alter von 28 Jahren in Folge eines Leidens, welches er sich in der Ausübung seines Berufes zugezogen. Herr M. Vogel widmete dem edlen Manne einen warmen Nachruf. — In Salzburg stellte sich jüngst der neugewählte Rabbiner Herr Moriz Dach Sr. Eminenz dem Cardinal Fürst-Erzbischof Dr. Haller vor. Während des Gespräches beklagte sich der Herr Rabbiner über das stete Anwachsen des Antisemitismus, worauf Se. Eminenz erwiderte: „Das ist ja nur eine Zeitströmung, das wird bald vergehen." — Herr Josef Innwald hielt gelegentlich einer Schuldebatte im Stadtverordnetenkollegium in Prag eine Rede, aus der wir den Schluß hervorheben. Es ist klar, daß der Antisemitismus weder in religiöser, noch in nationaler, noch in einer anderen Hinsicht zu rechtfertigen ist. Wo ist also der Grund desselben zu suchen? Der Antisemitismus hat weder einen religiösen noch einen volkswirtschaftlichen, noch einen nationalen Halt; ich glaube vielmehr seine einzige Grundlage liegt in der Art der Erziehung unserer Jugend. So wie wir unsere Jugend erziehen, eine solche Generation werden wir erhalten. Ich appelliere daher, meine Herren, an die Elteren, daß sie ihre Kinder nicht nur national erziehen, sondern auch in religiösem Sinne, wie es Christus befiehlt, auf daß wir nicht Anderen thun, was wir selbst nicht wollen. Wenn die Jugend in den Grundsätzen der Nächstenliebe erzogen werden wird, dann wird auch dem Antisemitismus der Boden entzogen sein, der keine Zukunft hat, sondern nichts anderes als eine Scheidung der Menschen in Klassen bezweckt. Ich weiß wohl, meine Herren, daß der böhmische Boden kaum der geeignete für den Antisemitismus ist. Ist er doch vom Blute, das in den religiösen Kämpfen hier selbst geflossen, bis zur Sättigung getränkt. Trachten wir daher, daß, wie hier im Rathause, auch im ganzen Lande Ruhe und Frieden werde. (Rufe: Ausgezeichnet!) — Der Obmann des israelitischen Waisenhauses