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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-04-01 · Heft 4 (1.4.1897) · p. Seite 88

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 4 (1.4.1897)
Date
1897-04-01
Page
Seite 88 (sequence 16)
Language
German
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88 steht der damalige Judenhaß edler da als der heutige. Es kam die Zeit der Flagellanten (Geißler). Die Pest-Krankheit, die damals in fast ganz Europa wüthete, wollte eine Ursache haben. Die eigentliche Ursache zu finden dazu, war man damals wissenschaftlich noch zu weit zurück. Aber der christliche Glaube fand eine Ursache, „die Juden vergiften die Brunnen, daher der schwarze Tod!" Und damit war wieder das Signal zu Juden-Abschlachtuiigen, gerade wie zwei Jahrhunderte vorher, zu Zeiten Gottfrieds von Bouillon und Emmichos gegeben. Es kam die neuere Zeit und mit ihr sanftere Gedanken. Aber etwas anders als Schachern, Trödeln, Wechseln, Verleihen ließ man die Juden doch nicht treiben. Diese unsinnige Staats-Raison führte zum Reichtum vieler Juden. Hätte man von Seiten des Staates gleiches Recht für alle und daneben als Correctiv, eine richtige wirtschaftliche Gesetzgebung eingeführt, so wären die heutigen Gegensätze schon längst überwunden. So aber werden die Rach-Wehen einesteils durch Versündiglmg am jüdischen Volke, durch Verfolgungen, Bedrückungen, anderuteils durch die nachlässige Gesetzgebung noch so lange bestehen, bis hierin Remedur geschaffen ist. Auch die Volksbildung muß noch eine ganz andere werden, bis einmal das Credo quia absurdum est aus der Welt geschasst ist. Zum Schluß: Der Charakter mancher Inden ist eine Folge ihrer Behandlung. Ihr Glaube steht auf dem Boden der Wissenschaft, sie haben keinen persönlichen Gott, sondern nur eine Gottheit. Bei den Christen es anders: Denn die große Masse soll glauben (die Unwissenheit ist dazu der Nährboden), die meisten gelehrten und gebildete Christen glauben heutzutage nicht mehr an Dogmen, sie denken: „Gesegnet soll der Trunk uns sein Euch das Wasser, mir der Wein." — Vom Frankfurter Ghetto berichtet Herr Salomon Levy: „Als im Jahre 1796 infolge der Beschießung Frankfurts ein großer Teil der Judengasie abbrannte, suchten und fanden die Abgebrannten Wohnungen in den anderen Stadtteilen. Als aber der abgebrannte Teil des Inden-Ghettos unter den Namen „Bornheimer-Straße" wieder neu erstand, da war, schon durch die Neubenennung des restaurirten, das Schicksal des alten Ghettos entschieden. Die Zeiten hatten sich erfüllt, die französische Revolution hatte der Unduldsamkeit den Todesstoß gegeben. Dies bezeugt sehr deutlich der Ausspruch eines ehrsamen christlichen Bäckermeisters aus jener Zeit. Als nämlich im Rat der Stadt Frankfurt die Abschaffung des Ghettos auf der Tagesordnung stand, stellte Herr Simon Moritz v. Bethmann, dessen hohe Verdienste um seine Vaterstadt geschichtlich feststehen gleichwohl den Antrag, man solle die Thore an dem Judenquartier wieder Herstellen und veranlassen, daß die seither in anderen Stadtteilen wohnenden Juden wieder hineinziehen. Sein Antrag wurde abgelehnt; es war eben gegen den neuen Zeitgeist nicht mehr anzukämpfen. Kurz darauf besichfigte Bethmann die neue „Bornheimer- Straße" und kam bei dieser Gelegenheit an dem Hause des „Brückel-

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