Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 87 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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4 * «, - ' '*»'< i - Tu*.*' '» «'^ : '’*<• ~ > " ' *’.'* » ~ iW*krT* -p V*J Wf" — 87 — und zur Bekämpfung des deutsch-nationalen Verbandes auffssdert. — Warum sind die Juden unbeliebt?*) Der Haß gegen die Juden hat im Laufe der letzten 19 Jahrhunderte verschiedene Ursachen gehabt und verschiedene Wandlungen angenommen. Zuerst war es der Zwiespalt zwischen der altjüdischen und nenjüdischen, später christlichen Richtung. Die alten Juden behaupteten, Christus sei kein Gott, was die heutige Wissenschaft ebenfalls behauptet, und vermeinten mit Recht in ihren damaligen Schriften genug Heilslehren zu haben, um keiner neuen Religion zu bedürfen. Die Kreuzigung Christi ist nach römischem Recht vollzogen worden, denn seine ^Lehren waren dem römischen Staat gefährlich, nicht dem jüdischen, mit ein Beweis sind die späteren massenhaften Christenverfolgungen im römischen Reiche. Daß die Juden Christus hätten aus den Weg schaffen wollen, ist eine Fälschung, die man später gebraucht hat, ebenso wie die Erfindung von dem Ritualmorde: Calumniare audacter semper aliquid haeret! Die Verleumdung mit dem Blutmärchen haben die Christen von den Römern entlehnt, die in mißverstandener Deutung des hl. Abendmahls (Nehmt hin, dies ist mein Blut!) den damaligen Christeil de» Gebrauch des Menschenblutes an ihrem Passahfeste, das sie noch lange nach Christi hielten, andichteten. Die Meinungsverschiedenheiten und damit auch oer Haß, wurden immer größer, jemehr durch die später entstandenen Evangelien lind in den Kirchenversammlungen die Dogmen anfkamen, in denen freilich lange nachher und auch heute noch die Christen nicht einig werden konnten. Als aber durch die Allmacht des römischen Episkopats eine gewisse Festigkeit und Einheitlichkeit in die Glaubens- und Dogmenlehre kam, da hat es sich vor Allem daruin gehandelt, die Juden, welche nur an eine unsichtbare, unfaßbare Gottheit (En lo Demus Haguf we'eno Guf: er ähnelt keinem Körper und ist kein Körper!!) glauben wollten, mundtot;u machen. Mit den Waffen des Geistes waren sie nicht zn schlagen, ebensowenig wie heute .der Glaube gegen die Wissenschaft noch aufkommen kann. Man mußte andere Mittel gebrauchen. O'advrd avertir, puis dexnolir! Damals handelte es sich nicht wie heute um Geschäfts- oder Rassenhaß, die widrigste Erscheinung unserer „Civilisativn" sondern, die Inden waren mit ihren Glaubensansichten im Wege! .Ich kann den Ansichten der Christen, denen doch immerhin eine ideale Basis zu Grunde lag, noch eher eine Seite abgewinnen als den heutigen meistens durch Brotneid enstandenen Verfolgungen. Es kam die Zeit der Kreuzzüge. Damals hieß es: Warum gehen wir in's heilige Land zur Vertreibung der Ungläubigen? Warum räumen wir hier nicht unter den Juden, unter den Feinden des Erlösers auf, wenn sie sich nicht taufen lassen wollen? «Nicht taufen lassen wollen!" Damals hat inan den heutigen gemeinen, geldgierigen, hungrigen Judenhaß nicht so gekannt, man begnügte sich mit der Taufe. Und hierin, aber auch nur hierin *1 Auf diese Frage antwortete Herr Salomo» Levy einem Antisemiten mit folgendem Briefe.