Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 86 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Als Preisaufgabe für den Rosin'schen Preis ist: „Die Geschichte des Achtzehngebetes" gestellt. (Termin 31. Juli 1898). Das Seminar zählte zu Beginn des Sommers 32, im Winter 29 Hörer. Entlassen wurden als Rabbiner die Herren: Dr. M. Grunwald und Dr. L. Wechsler. — In Kerlin starb Herr George Davidsohn, der Chefredakteur des „Berl.-Börs.-Knrier", im 62. Lebensjahre. In ihm verlor der Berliner Journalismus eines seiner angesehensten Mitglieder. — Herr Dr. G. Alemperer, Privatdozent an der medizinischen Fakultät der Berliner Universität, der lange Jahre der Assistenzarzt des Professors Leyden war, hat den Professortitel erhalten. — In Kromberg hat Herr Stadtrat Aronsohn dem städtischen Krankenhause 1000 Mark zur Beschaffung von Geräten und Maschinen zur Krankenbehandlnng mittelst Elektrizität (Galvanokaustik, Beleuchtung durch Röntgenstrahlen) zur Verfügng gestellt. Sämmtliche dazu erforderlichen Apparate sind bereits bestellt. — Herr Prof. Ludwig Schlesinger, Privatdozent der Mathematik an der Universität Berlin, ist als außerordentlicher Professor an die Universität Bonn berufen worden. — Das Reichsgericht in Leipzig verwarf die Revision des Redakteurs Karl Sedlaczeb, der am 30. Oktober v. I. vom Landgericht II in Berlin wegen Beschimpfung der jüdischen Religion und Gotteslästerung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. — In Jarotschin starb Herr Bürgermeister Ooldring und in Loslnn Herr Samuel Kirschner, der eine Zeit lang am Breslauer Rabbinerseminar als Talmuddozent fungierte. — Man schreibt uns: Jüngst starb Frau Baronin Julie Haber, Mitglied der israelitischeil Gemeinde in Karlsruhe. Sie war die letzte ihrer Familie, welche auf dein israelitischen Friedhofe beerdigt wurde. Ihren Sarg umstanden zumeist Christen. Herr Rabb. Dr. Appel leitete die Trauerfeier. — Die Königliche Regierung von Niederbayern hat die Errichtung einer israelitischen Kultusgemeinde in Straubing genehmigt. — Man berichtet: Der jüdische Kranken-Unterstützungsverein in Nabel beging am 17. Januar die Feier seines 50jährigen Bestehens. Von den Gründern des Vereins lebt nur noch Herr Nathan Gohn. — Als Nachfolger von Emil du Bois-Reymond wird, nachdem auch Herr v. Kries-Freiburg i. B. abgelehnt hat, nun voraussichtlich Professor Hermann Munk berufen werden. Munk ist ein Forscher ersten Ranges; wichtig sind seine Untersuchungen zur Fühlsphäre der Gehirnrinde. Er hat das 58. Lebensjahr vollendet und wurde auch zum Vorsitzenden der Berliner physiologischen Gesellschaft als Nachfolger Emil du Bois-Reymonds gewählt. — Herr Dr. H. Weißenberg aus Tichau ist von Herrn Professor Röntgen in Würzburg zu seinem ersten Assistenten ernannt worden. — In Frankfurt a. M. fand eine Versammlung des deutsch-nationalen (antisemitischen) Handelsgehilfenverbandes statt. Es war die Gründung eines antisemitischen Verbandes beabsichtigt. Nach stürmischen erregten Debatten wurde eine Resolution angenommen, welche den Antisemitismus als wirtschaftlich reaktionär erklärt, von seinem Hineintragen in die Handelsgehilfenbewegung eine Zersplitterung befürchtet