Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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83 elai wajiggoschu. „Und Joseph sprach zu seinen Brüdern: Tretet zu mir her (oder auch: Nähert euch)! Und sie traten zu ihm hin (sie näherten sich ihm)." Und auf der andern Seite ist zu lesen: Hinneh mah tow umah noim schewes achim gam jochad. „Wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder beisammen wohnen." Welch' ein tiefes Gemüt stack unter dem einfachen Kittel jenes armseligen Greises! So oft ich den idyllisch zwischen Bach und Hügel gelegenen, von einem Fichtenzaun umgebenen Friedhof erblicke, gedenke ich auch des wackeren Mannes in Verehrung. Noch ein halbes Jahr blieb ich in Sch. und ich brachte es wenigstens so weit, daß ich einzelne leichte Stücke in den Traktaten Chullin und Kidduschin ohne größere Hilfe enträtseln (laienen) konnte. Zu einer richtigen Vertiefung in das Studium des Talmuds ließ es mein jugendliches Alter und die Kürze meines dortigen Aufenthaltes nicht kommen. Ich möchte daher kaum annehmen, daß der Erfolg dem Aufwand an Zeit entsprach. Vielleicht hätte sich dieses Verhältnis bei länger andauerndem Studium günstiger gestaltet. Ein Glück für mich war, daß ich von jeher Freude an körperlichen Übungen empfand und sie daher auch gerne aufsuchte. Bei den mir befreundeten Söhnen des jüdischen Maires fand ich öfters Gelegenheit mich auf ungesatteltem Pferde zu tuinmeln, zur Badezeit war ich viel im Wasser und ahmte dabei so lange die Schwimnibewegungen nach, bis ich es zu einer gewissen Gewandtheit in dieser Kunst gebracht hatte. So kam es, daß ich trotz der sonst mangelhaften Pflege des Körpers als ein gesunder und kräftiger Knabe den Ort verließ. Auch der Aberglaube und der Mystieisinus meines hochverehrten Rabbi, deren Einwirkung ein jugendliches, empfängliches Gemüt nicht entgehen konnte, hielten bei meiner immerhin nüchternen Denkungsweise auf die Dauer nicht in mir vor. So lange ich in Sch. weilte, war es für mich eine unbestreitbare Thatsache, daß mein Rabbi in unmittelbarer Beziehung zu den Geistern oder gar zu Gott selbst stehe; ich blickte zu ihm wie zu einem höheren Wesen empor. Niemals hätte ich gewagt, mich auf seinen Stuhl zu setzen; sein Mißfallen war für mich die härteste Strafe. Als er mir einmal gegen heftige Leibschmerzen ein Glas Wasser verordnete, in dem ich vor dein Trinken den mit Tinte geschriebenen Namen Chidekel (einer der vier Flüsse, in die sich der Strom teilte, der aus dem Eden kam, wahrscheinlich der Tigris) auswaschen sollte, so war ich überzeugt, daß nur das „Chidekel" geholfen hatte, und wenn bei einem Unglücksfalle seine Hilfe in Anspruch genommen wurde, er dann seine Hand auf das Haupt des Verunglückten legte und einen Spruch hersagte, so war es bei mir Gewißheit, daß damit die Rettung vollzogen war. Ich hatte mir eine ganze Anzahl von solchen arzneilosen Heilmitteln einstudiert, die besonders gegen Gräten. Knochenstückchen u. s. w. in der Speiseröhre halfen. Wir sehen, die arzneilose Heilkunde ist keine Errungenschaft der Neuzeit. Als ich jm Spätjahr 1846 in eine höhere Bürgerschule mit Latein eintrat,