Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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82 setzen. Sollen wir uns von den Franzosen so beschämen lassen, sollen wir das dulden? Nein! Ein jeder rechtlich und patriotisch gesinnte Deutsche muß mir da beistimmen. Sollen wir es zulassen, daß ein fremdes Volk einem unserer größten und deutschesten Dichter ein Denkmal setzt und uns eine große Ehre raubt? Und einer unserer größten und ureigensten Dichter ist Heinrich Heine. Es ist lautere Wahrheit und berechtigter Stolz, wenn er ausruft: Ich bin ein deutscher Dichter, Bekannt im deutschen Land, Nennt man die besten Namen, Wird auch der meine genannt! Ich weiß nicht, ob die freisinnigen und patriotisch gesinnten Leute den Widerstand der dunklen Elemente im deutschen Volke besiegen werden, und ich fürchte, daß letztere vorläufig den Sieg behaupten werden. Aber einmal wird die Zeit kommen, wo diese Elemente unterliegen werden, wo der freisinnige Mann ihnen den Fnß auf den Nacken setzen wird und dann wird auch Heinrich Heine ein Denkmal bekommen und das deutsche Volk wird zu dem Standbild des Mannes wallen, der sein deutsches Vaterland so innig liebte, für das er in den Märtyrertod gegangen ist. Wor länger als einem Halben ZaHrHundert. Erinnerungsblätter von I. B. (Schluß.) In der jüdischen Gemeinde meines Geburtsortes gab es damals eine Anzahl Männer, zu denen ich ihrer Gelehrsamkeit und ihrer Frömmigkeit wegen, die sich schon in ihrer äußeren Erscheinung verrieten, in Ehrfurcht aufblickte. Einer dieser Männer, ein würdiger Greis, von Beruf Pferdemakler (Bal saßorn), hatte, obgleich er nebenbei gesagt wie eine Ziege meckerte, das Ehrenamt eines Bal tephillah (eines Vorbeters an den Festtagen) und das Vorrecht, ohne Entgelt geeignete Inschriften für die Grabsteine auszuwählen und sie selbst in die Steine einzumeißeln. Er führte dies mit vielem Geschick aus. Der Mann war kein Gelehrter, aber bibelkundig muß er gewesen sein; denn er traf seine Auswahl in ungemein sinniger Weise. Für mich stehen diese schlichten, in ihrer Verwendung oft kindlichen Bibelstellen hoch über den gereimten Versen, in denen der unter dem Steine Ruhende in überschwänglicher Weise verherrlicht wird. Um ein Beispiel anzuführen: Es starben infolge einer ansteckenden Krankheit drei Brüder, von denen der Erstgeborene Joseph hieß, kurz nacheinander. Sie wurdeil einer neben deni andern beerdigt und sie erhielten einen gemeinsamen, dreigeteilten Grabstein. Auf der einen Seite ist nun eingegraben: Wajomer Joseph el echow geschu no