Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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■"'■■’ ' .. ' ' ■ - ' ' ,-y'^m - 81 — katholischen Glaubens gewesen, habe seine Angriffe gegen denselben gerichtet, wo er nur konnte. Gewiß, als freigesinnter Mensch, richtete Heine die Pfeile seines Zornes und seines Humors gegen die Auswüchse dieser Religion. Aber wie wußte er ihre schönen Seiten zu schätzen, wie ergötzte er sich an der Poesie derselben^ — Dieselben Leute, die Heine als einen Feind des Katholizismus bezeichnen, suchen ihn als einen Feind alles Deutschtums, als den Freund der Franzosen hinzustellen. —Heine war ein Patriot, wie wir ihn selten wieder finden. Gewiß, er verstand es nicht zu heucheln und zu schmeicheln, er richtete die Blitze seines scharfen Witzes gegen alles, was ihm in Deutschland als unrichtig erschien und er verbarg diese Gedanken auch nicht hinter einer heuchlerischen Patriotenmiene, aber in seinem Herzen da glühte die echte Vaterlandsliebe, der echte Patriotismus. „Ich werde", so schreibt er in seiner Vorrede zu „Deutschland", „eure Farben achten und ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige oder knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarz-roth-goldene Fahne auf der Höhe des Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschentums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben. Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland eben so sehr, wie ihr. Wegen dieser Liebe habe ich 13 Lebensjahre im Exile verlebt, und wegen eben dieser Liebe kehre ich wieder zurück ins Exil, vielleicht für immer, jedenfalls ohne zu flennen oder eine schiefmäulige Dulder-Grimasse zu schneiden. Ich bin der Freund der Franzosen, wie ich der Freund aller Menschen bin." — Gewiß solche kleinlichen Seelen, die Angriffe gegen H. Heine erheben, können sich aus dem niederen Dunkel ihrer Gesinnung nicht zu der lichten Höhe des Heine'schen Gedankens emporschwingen. — Es sei mir fern, in diesen Zeilen die Katholiken in ihrer Gesammtheit anzugreifen, es giebt in jedem Land, in jeder Religion edle und wohlgesinnte Menschen, aber daß sich die Heinefeinde meistens aus Ultramontanen rekrutieren, das wird wohl niemand bestreiten wollen. — Wie Heine selbst über eine Denkmalsfrage urteilen würde, wenn er noch unter «ns weilte, das hat der „Wahre Jacob" in einem Bilde treffend charakterisirt. — Oben ein Himmelsfenster, aus dem Heine hernntersieht, unten sehen wir einen Kampf zwischen Heinerianern und Antiheinerianern. Ein halb satyrisches, halb wehmütiges Lächeln liegt auf den Lippen des unsterblichen Dichters» als wollte er sagen: Ihr Thoren, weßwegen streitet ihr euch denn? — Nicht sollen diese Zeilen dazu beitragen, einige Heinefeinde umzustimmen, sie einem Denkmalprojekt für Heine nahezubringen, es handelt sich hier nicht um eine bloße Denkmalssetzung, sondern um etwas viel ernsteres, wichtigeres: Die Niederlage der Freigesinnten, gegenüber den Muckern, Freiheitsfeinden im deutschen Volk. Überall sind Stimmen laut geworden, man soll Heine ein Denkmal setzen, überall sind sie unterdrückt. Es ist das ein trauriger Beweis dafür, wie Deutschland in so mancher Beziehung hinter den andern europäischen Ländern zurück ist. — Frankreich, das Land, wohin sich Heine vor seinen Verfolgern flüchtete, will Heine ein Denkmal