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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-04-01 · Heft 4 (1.4.1897) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 4 (1.4.1897)
Date
1897-04-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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— 80 — Frankfurt, Hamburg, Leipzig, Wien auch genug freisinnige gebildete Israeliten. Das sollte uns zu denken geben, ehe wir auf den Lockruf einer Sabbatverlegung eingehen. Doch so weit sind wir noch nicht. Unserm Herrgott wird es gleich sein, welchen Tag wir feiern, — den Menschen aber nur nicht. Historisch ist, daß wir Juden von jeher den siebten Wochentag als den Sabbat- und Ruhetag gefeiert haben. Historisch ist ferner, daß nach Entstehung' des Christentums erst ein Concil den christlichen Ruhetag auf den ersten Tag der Woche, den Sonntag» verlegte. Und wie, wenn nun — sofern die Jndenheit auch diesen Tag, den Sonntag, als ihren Sabbat- und Ruhetag erkürte — ein neues Concil den Sonntag wieder auf den alten Samstag zuriickverlegte? — Jedoch, wie gesagt, so weit ist weder heute Jude noch Christ. Vielleicht sind wir jedoch in 100 Jahren — für die Weltgeschichte nur eine kurze Spanne Zeit — so weit, dieser Frage näher zu treten. Heute aber ist sie nur eine Utopie. Keine Gemeinde, auch die westfälischen Gemeinden nicht, würde es heute nur »vagen, dieser Frage offiziell näher zu treten. Haben diese sich doch gesträubt, den zweiten unbiblischen Feiertag anzutasten. Und das Judentum wird, trotz der Unzuträglichkeiten, mit dem alten Sabbat weiterbestehen. Nach uns Kommende mögen vielleicht anders als ich denken und Herrn Levinstein für seine Pionierdienste dankbar sein. Ich jedoch kann mich aus oben angegebenen Gründen nichtdamit befreunden. Keinrich Keine. Die Lieder keines anderen deutschen Dichters, Goethe ausgenommen, sind so in das deutsche Volk gedrungen, wie die Lieder Heinrich Heine's. Wo deutsche Sprache schallt, wo deutscher Wein gedeiht, wo deutsche Seelen leben, da ertönen die herrlichen Lieder dieses unseres größten Lyrikers. — Wie komint es, »vird man fragen, daß ein Dichter, dessen Gesänge so iu's Herz des deutschen Volkes gedrungen sind, der einer unserer gelesensten Klassiker ist, noch kein Denkmal hat? Mit Erstaunen wird man eine derartige Frage änfwerfen. Fast hundert Jahre sind es her, daß Heinrich Heine geboren, fast 41, daß er gestorben und noch kein Denkmal hat ihm sein Volk gesetzt. Aber ich sage „sein Volk". Nein, sein Volk, für das er geschrieben, dem er ein unvergängliches Erbteil in seinen Liedern vermacht hat, hätte ihm schon lange ein Denkmal gesetzt. Aber seine Bestrebungen dieser Art wurden und werden von den dunklen Elementen iin deutschen Volke, welche leider, leider eine große Macht besitzen, unterdrückt! Wie können es aber auch so niedrige Seelen, die zu unselbständig zu eignen Herren, sich nach der Tyrannei und Sklaverei des dunklen Mittelalters, der Zeit der Inquisition zurücksehnen, ertragen, daß »nan einem Dichter, der sein ganzes Leben lang nach Wahrheit und Licht gerungen, der alle Sklaverei wie die Pest haßte, ein Denkmal setzt. —Diese dunklen Elemente behaupten, Heine sei stets ein Feind des

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