Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Vorschlag unterbreiteten. Die Mittelparteiler würden trotz aller Vorzüge, welche eine Verlegung des Sabbats hätte, sich scheuen, die Initiative zu ergreifen, um keine Spaltung in ihre zumeist kleinen Gemeinden zu bringen, denn Spaltung können diese eben nicht vertragen. Es bleiben daher noch die ganz links stehenden Glaubensgenossen. Diese werden mitthnn. Den Indifferenten würde eine Beibehaltung des jetzigen Sabbats oder dessen Verlegung ganz gleich sein: sie würden an jedem der beiden Tage zum Gottesdienste eben nicht erscheinen. Bleibt nun die Frage: Wie soll die Verlegung des Ruhetages beschlossen werden? Eine kirchliche Behörde, welche die Verlegung dekretieren könnte, besitzen wir nicht Es müßte solche also aus eigener Initiative der einzelnen Gemeinden geschehen. Nun setzen wir den Fall, irgend eine unserer mittelgroßen Gemeinden beschlösse durch ihre Vertretung, den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen. Was wäre die Folge? Die Alten, ich möchte sie die Stammgäste der Synagoge nennen, würden zu dem am Sonntag stattfindenden Gottesdienste nicht erscheinen, und man niüßte ihnen, um nicht einen Gewissenszwang auf sie auszuüben, dennoch an dem ihnen liebgewordenen Sabbat einen Gottesdienst einrichten — sonst würden sie ja aus Gewissensbedenken aus der Gemeinde ausscheiden. Die ausgesprochenen Orthodoxen der Gemeinde würden Zeter mordio ob dieses „Chukas hagoi“ schreien und selbstredend mit AploMP gerade den Sabbatgottesdienst der Alten, der Stammgäste, besuchen. Bleiben die links stehen, etwa ein Viertel der Gemeinde. Dieses Viertel würde mit den Kindern, den Schülern höherer Schulen, den Sonntagsgottesdienst besuchen, an welchem sich vielleicht die wenigen Handwerker, Arbeiter, Metzger beteiligen würden. Auf das letzte Viertel der Gemeinde, die Indifferenten, ist nicht zu rechnen. Was wäre nun erreicht? Erreicht wäre nur eine Teilung der Gemeinde in Sabbat- und in Sonntagsfeiernde, und günstigsten Falles hätten wir alsdann neben dem ersten und zugesetzten unbiblischen zweiten Feiertag noch obendrein den Sabbat- und den Sonntagsgottesdienst, letzteren als zweiten wöchentlichen Feiertag. Im ungünstigen Falle aber hätten wir eine tiefe, große und herbe Spaltung in die Gemeinde hineingetragen, der Gemeindefrieden wäre dahin und die Gemeinde würde sich in zwei Gemeinden, in zwei sich befehdenden Gemeinschaften spalten: in eine neue und eine alte. Ich meinerseits halte daher heute diese Angelegenheit für mindestens nicht spruchreif und betone dabei, daß ich die theologischen Momente ganz außer Acht lasse und berufenen Federn überlasse. Ich wollte nur über die praktische Seite einer Verlegung sprechen. Sehen wir doch um uns. Meines Wissens nach existiert in Deutschland nur die Refornigemeinde in Berlin, welche die Feier des Sabbats auf den Sonntag verlegt hat. Ich frage, hat diese eine Gemeinde Nachfolge gefunden? Mit nichten. Und aus welchen Gründen wohl nicht? Es giebt doch in den großen Centren