Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■ , ...»'»'WM — 77 — Alten Testament christlicherseits gewidmete Übersetzungsarbeit! Wieviel haben ferner unsere Forscher zur Erklärung desselben beigesteuert! Mit welchem Fleiß und Eifer hat mancher eine Ehrenrettung der alttestamentlichen Schriftsteller gegenüber den Anllagen der Kritik erstrebt! Namen brauchen wir nicht zu nennen, die bedeutsamsten, die hier in Betracht kommen, sind in aller Mund. Wie in den heiligen Schriften Israels, so besitzen Christen und Israeliten auch in dem Lehrgehalt derselben ein starkes Einheitsband. Synagoge und Kirche stimmen darin mit einander überein, daß sie dem Alten Testament dieselben Grundlehren entnehmen, daß sie sich von ihm zu religiöser Erkenntnis und zu religiösem Handeln anleiten lassen. Die beiden geineiusame Erkenntnis schließt u. a. folgendes in sich: „Es giebt einen unerschaffenen persönlichen Urgeist. Dieser, den wir „Gott" nennen, war vor aller Zeit da. Er hat die ganze Welt ins Dasein gerufen. Er hat die ersten Menschen nach seinem Ebenbilde geschaffen und aus einem Paar alle Erdenbewohner hervorgehen lassen. Er erhält seine Geschöpfe. Er regiert , die Menschheit mit richterlicher Strenge, aber auch mit väterlicher Barmherzigkeit. Was das religiöse Thun anlangt, so schwebt Christen und Israeliten dasselbe Ideal vor Augen: die Heiligung des göttlichen Namens, der „Kiddusch Haschen«." Beiden erscheint die Entheiligung desselben, der „Chilnl Haschen«", als das zu Meiderrde und zu Bekäinpfende.-- Das vornehmste Mittel zur Erreichung des angegebenen hohen Zieles ist das Thun des Guten, d. h. der Verkehr «nit Gott, der sich in der Anrufung Gottes (iin Gebet) u««d überhaupt in der Vollbringung seines Willens (im Gehorsam) beku««det- Die Grundforderung, die wir zu erfüllen haben, ist das Gebot der Liebe zu Gott. An dies größte Gebot schließt sich das zweite, die Forderung der Liebe zuin Nächsten, an. Die Entheiligung des göttlichen Namens folgt aus dem Thuu des Bösen, d. h. aus der Aufhebung des Verkehrs «nit Gott, dem Abfall von Gott. Während der Gerechte des göttlichen Segens teilhaftig wird, verfällt der Sünder dem göttlichen Fluch. Der Christen und Israeliten geineinsaine religiöse Besitz ist also wahrlich nicht gering. Angesichts desselben dürfen wir einander nicht verachten oder auch nur teilnahmlos behandeln. Als Verehrer eines und desselben Gottes, des über die ga««ze Welt erhabenen geistigen Wesens (vgl. die Ä««ßernngen des Tacitus, ü«8t. V, 5, über den jüdischen Gvttesbegriff), können und sollen wir Gerneinschaft mit einander Pflege». Freilich darf eine solche Gemeinschaft auf Grund des bedeutenden gemeinsamen Besitzes nicht dahin führen, daß man das, was uns auf dem religiösen Gebiete scheidet, für unbedeutend erklärt. (Dibre Emeth.) Auch eine Klimme aus dem Leserkreise. Mit Interesse habe ich den warm und herzlich geschriebene«« Artikel des Herrn G. Levinstein zu Schloß-Lichterfelde in Nr. 2 dieser Zeitschrift gelesen.