Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969842--5042-2974328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■< '11 i /J, 75 rettend seine heiligsten Güter." Und fragen wir uns, woher stammen diese Tugenden alle, die wie funkelnde Edelsteine die Kaiserkrone zieren, so finden wir die Antwort wiederum in dem Worte der Schrift: „Du liebst Recht und hassest Frevel, darum hat Gott dein Gott dich gesalbt mit dem Wonneöl vor deinem Gesalbten." Und darum gilt unsere Liebe und Verehrung nicht nur dem ruhMgekrönten Helden in der Geschichte, sondern in noch höherem und größerem Maße dem edlen Menschen, der unentwegt in seinem wechselreichen Leben im Vertrauen auf Gott ausharrte in der Erfüllung feiner Pflicht, in trüben wie in sonnigen Tagen. Unter Gottes Hand hat er sich stets gebeugt und an derselben sich immer wieder von neuem aufgerichtet. Auf den rauschenden Höhen des Glückes gab er in seiner Person ein Beispiel der Mäßigung, der Versöhnlichkeit, der Friedensliebe, und derselbe Kaiser, der die Waffen ruhmgekrönt führte, trug den Ölzweig des Friedens den Völkern voran, und einer der siegreichsten Könige war er zugleich der mächtigste Hort und Schirmherr des Friedens. Ja, als er sein Volk aus der Enge in die Weite, aus der Tiefe zur lichten Höhe seiner glanzvollen Stellung führte, da gab er Gott die Ehre, da legte er den Lorbeerkranz des Sieges hin auf den Altar des Herrn, sprechend: „Die Rechte des Ewigen ist es, die den Sieg verschafft." „Mein Sing und Sang ist der Herr, er ward meine Hilfe." Und wie verstand es der hochselige Kaiser, der ein Ende machte der Schmach, die dem deutschen Volke angethan wurde, dadurch, daß es stets ängstlich in die Fremde blicken mußte, uni von dort den Maßstab seines Wertes oder Unwertes zu empfangen, wie verstand er es, die rechten, mit geistigem Scharfblicke und frischer Thatkraft ausgerüsteten Männer zu erivählen und sie, jeden an ihren Platz zu stellen, daß ihre Kraft nutzbar wurde dem Ganzen und das tapferste und wackerste Volk die in ihm vorhandene Kraft zur Entwicklung und Entfaltung bringen konnte. Und so ist denn zur Wahrheit an ihm geworden das Wort der Weisen: „Größer noch sind die Gerechten nach ihrem Tode als selbst bei ihrem Leben" (Chullin 7b), denn ihm "verdanken wir unschätzbare Güter, die wir wie ein Heiligtum hüten und wahren sollen, der Frieden nach außen und die Einheit nach innen. Ja, die Einheit nach innen, welche durch die Waffengemeinschaft seiner verschiedenen Stämme begründet und herbeigeführt wurde, die sollen wir uns zu erhalten trachten. Haben unsere Brüder gemeinsam gekämpft und gesiegt, haben sie alle, ohne Unterschied des Standes, der Heimat und des Glaubens sich eins gefühlt und für das eine deutsche Vaterland ihr Blut auf dem Felde der Ehre verspritzt, so sollen wir, ihr Werk ergänzend, den Ring unserer Gemeinschaft immer enger und inniger uin uns schließen und sein und bleiben ein einig Volk von Brüdern und in der Liebe zu Kaiser und Reich wetteifernd immer und überall das Wohl unseres geliebten Vaterlandes fördern. Möge der Geist Kaiser Wilhelnls des Großen der Schutzgeist des deutschen Volkes sein und bleiben, dessen Andenken in jedes Deutschen Herz fortleben wird als ein erhabenes Beispiel deutscher Mannestugend, hingebender Pflichttreue und gottergebener Demut. Dr. A. B.